Eindrücke vom Acherontic Arts Festival 2017

Zum dritten Mal machte ich mich wieder auf den Weg in den Ruhrpott. Wie letztes Jahr fragte ich mich weshalb ich denn schon wieder den langen Weg durch die Baustellen und staureichen Ballungsgebiete auf mich nehmen sollte. Doch das Line Up konnte mich leider wieder überzeugen, wenn auch es dieses Mal nicht so sehr das Gesamtpaket war. Denn obgleich es klar war, dass wie die Jahre zuvor Urfaust und Ruins of Beverast namenstechnisch das Festival stemmen mussten, gesellten sich überraschende Verpflichtungen a la Svartidauði oder Sonne Adam dazu obgleich diese nicht Teil des Ván-Rosters sind. Für mich war die Verpflichtung von Sonne Adam nach jahrelanger Abstinenz allein ein willkommener Grund mein Ticket zu kaufen. Dennoch ist das Problem des Festivals natürlich, dass die Möglichkeit der Vielfalt eigentlich schon seit 2016 so gut wie ausgeschöpft ist. Dementsprechend waren auch gefühlt weniger zahlende Gäste anwesend, denn obwohl es immer noch Bands der Label-Familie gibt, welche noch nicht Teil des Acherontic Arts-Line Ups waren, kamen die großen Nummern alle bereits zum Zug (Eine Frage am Rande: Sind Truppensturm eigentlich noch aktiv?).

Wie auch immer. Zumindest war ich dieses Jahr klug genug einen Tag früher anzureisen und dem Zeitstress zu entgehen, der einen belastet, will man nicht mitten in der Nacht von München aus aufbrechen. So war auch noch genug Zeit Essens-technisch gestärkt das Gelände zu betreten, denn das kulinarische Angebot rund um und in der Turbinenhalle ist für den verwöhnten Gaumen nicht zu empfehlen. Von den teuren Preisen für Bierplörre und besserem, weil hochprozentigem, Alkohol ganz zu schweigen.

Als ich den schlaglochreichen Parkplatz erreichte musste ich feststellen, dass eine halbe Stunde nach Einlass nur ca. 10 bis 15 Autos hier standen und der Platz vor dem Eingang schlichtweg leer war. Absolut konträr zu den vorherigen Jahren. In der Halle war beinahe niemand anwesend was meinen ersten Check der Merchandise-Tische und der Platten beim Van-Stand wesentlich angenehmer machte. Natürlich hatte Ván auch dieses Mal wieder Spezial-Releases ausliegen. Begehrlichkeit erweckte vor allem das zweite Live-Album von Urfaust welches den Limitierungswahn mit 25 Euro Endpreis ausnützte um fünf dargebotene Nummern des letztjährigen Auftritts ins Plattenregal des Sammelsüchtlings zu bringen. Kein Grund für einen Kauf meinerseits, und auch die anderen üblichen Verdächtigen interessierten mich dieses Mal nicht so dringend. Weshalb nach einem letzten kurzen Überfliegen des Tape-Angebots mein Interesse auch schon der Bühne galt.

Den Opener machten Infernal Invocation. Schönes handfestes Black Witchery/Revenge-Gebolze mit all dem wenigen was es braucht um so einen Auftritt als gelungen dastehen zu lassen. Ich erinnerte mich, diese Band vor drei Jahren beim Raging Death Date bereits eindrucksvoll scheppern gehört zu haben. Der Eindruck von damals konnte sich heute festigen. Solide.

Den Platz für Rentner nahm man sich bei den Bierbänken an der Seite und erhielt dank das immer noch spärlich vorhandenen Publikums welches leider mittlerweile doch immer zahlreicher wurde einen guten Blick auf die Bühne. Skan aus den Staaten entpuppten sich nach anfänglich einnehmenden Riffs schnell als überschaubare Nummer und machten zwangsläufig die Pflege der sozialen Kontakte vorrangig.

In großartiger Neuentdeckungslaune war ich sowieso nicht und so entschied ich mich erst wieder zu Sonne Adam anwesend zu sein. Aufgrund irgendwelcher Verspätungen standen aber zum planmäßigen Spielbeginn nun erst Dario Mars and the Guillotines auf der Bühne. Klang scheußlich und deswegen betrat ich die Halle erst wieder als dann endlich die Israelis aufbauten.

Es war Zeit für knarzigen Death Metal der eben nicht mit Necros Christos vergleichbar ist, was immer auch die ganzen Anfänger behaupten wollen. Sonne Adam hatte ich schon fünf Jahre nicht mehr gesehen und so war die Spannung groß ob die Band mich wie damals auf der Tournee mit Grave umhauen würde. Kurz und gut. Sie konnten. Arg souverän wurden Highlights wie „Bestow the crown of death“ oder „Take me back to where I belong“ spielsicher zelebriert. So muss guter moderner Old School Death Metal klingen.

Natürlich litt die Brachialität wie immer unter der arg naturhalllastigen Turbinenhalle, deren Soundbeschaffenheit einen gewissen Eigencharme birgt aber an sich für Metal-Veranstaltungen untauglich ist. Da wummert es unerträglich stark sobald die Bass Drum mit nur ein paar Sechzehnteln gespielt wird. Man hat sich daran gewöhnt aber optimal ist etwas anderes.

Auf ein erneutes The Ruins of Beverast-Konzert hatte ich wenig Lust. Denn dafür, dass die Musik arg zäh ist und mein Sättigungsgefühl bis jetzt immer circa zwei Jahre angehalten hat spielt mir die Band mittlerweile echt zu oft. Eine beispiellose Band bei der die Frage nach Daseinsberechtigung nicht gestellt werden muss, dennoch langweilt mich die Geilheit die der durchschnittliche Ván- Fanatiker im Bezug auf The Ruins of Beverast zur Schau stellt durchaus. Ich sehe nicht ein warum ich mir von den durchschaubaren Gestalten mit labelkonformer Aufnäherauswahl anhören muss, dass ich keine Ahnung von Musik hätte nur weil ich nicht schon wieder die Standard-Headliner ansehe. Deshalb war der Sozial-Aspekt des Festivals wieder einmal stark im Vordergrund und ich hatte Zeit neue Bekanntschaften zu machen.

Dread Sovereign spielten im Anschluss und waren mir bis zu Ausgabe Zwei des Festivals kein Begriff. Tatsächlich sind sie ein Jahr vorher die große Überraschung für mich gewesen. Und auch dieses Jahr spielten sie so perfekt, dass ich sie zu meinem Festival-Favoriten erklären muss. Zumal sie dieses Mal verstärkt langsame Songs spielten. Schwer und drückend waren sie zu jeder Zeit. Spielfreude konnte man den Herren niemals absprechen. Und der Gesang war so herrlich vorgetragen, dass sich epische Momente nur so aneinanderreihten. Pflichtkauf war angesagt, denn das aktuelle Album galt es noch zu erwerben. Mit 15 Euro ein absolut vertretbarer Preis.

Ein Shirt wurde auch erworben aber auch mit dem Hintergedanken das bereits arg durchgeschwitzte, bisher getragene Shirt wechseln zu können. Denn es war aufgrund der sommerlichen Temperaturen vor und in der Halle wenig erträglich geworden.

Danach folgten Svartidauði, welche mittlerweile auch immer mehr einem nicht eingeweihten Publikum ein Begriff sind und immer mehr Sprünge aus dem Underground-Pool unternehmen, um ihre psychedelischen Technik-Monster auch auf die unbedarften Ohren loszulassen. Ehre wem Ehre gebührt, doch hoffe ich, dass diese Band doch mehr im Untergrund bleibt. Denn es waren vor allem bisher die kleinen intimen Konzerte bei denen der Sound der Isländer am besten zur Geltung kam. Heute jedenfalls konnte ich mich erneut freuen angesichts der Wucht welche Svartidauði wieder zur Schau stellten. Live sind die Songs nunmal wesentlich aggressiver als auf Platte. Vor allem der großartige Song „Flesh Cathedral“ entwickelte seine Macht komplett. Wenngleich das heute der schwächste Auftritt war, den ich bisher von dem Quartett gesehen habe ist das alles dennoch Meckern auf hohem Niveau. Wird trotzdem als ein weiteres Highlight vermerkt.

Ein Detail am Rande rundete den Abend bereits vor der letzten Band weniger stilvoll ab, lieferte aber dafür Gesprächsstoff unter manchen Besuchern. So wohnte ich unfreiwillig einer Prügelei bei, deren Teilnehmer durchaus nicht unbekannt waren. Mehr wird nicht verraten, aber es sei erwähnt, dass man nicht für immer taub bleiben muss.

Als Rausschmeißer spielten die sichtlich blutjungen Slægt aus Dänemark. Diese spielten von Beginn an wild posend und voller Energie, so dass es gleich Spaß machte zuzusehen. Ich hatte keine Ahnung welchen Sound die Band bediente und war positiv überrascht, denn tatsächlich bedienten sich die vier Männer einem traditionellen Heavy Metal-Klang, welchen sie mit Elementen der alten Dissection zu einem ziemlich bissigen Teufelswerk hochgeschraubt haben. Sehr geschickt gemacht. Sehr melodiös. Durchgehend treibend und fesselnd. Wird weiter beobachtet.

Der zweite Tag begann mit einer Verspätung meinerseits weshalb ich den halben Ra Al Dee- Experience-Auftritt versäumte. Schade, denn das Solo-Projekt des Necros Christos-Sängers welches im Grunde klingt wie die Necros Christos-Gates und -Temples war an sich ganz nett. Denn die Besetzung Gitarre/Gesang und Perkussion teilte sich einen Teppich im Sitzen. So musste man schon vorne stehen um alles sehen zu können. Gut, eigentlich nichts Besonderes weil Ra Al Dee- Experience nur traditionelle Musik des mittleren Orients zum Besten gibt und somit die Anteilnahme mehr aufgrund des Namens und des personellen Zusammenhangs zu erklären ist. Platte wurde dennoch gekauft.

Danach spielte Venomous Skeleton, welches ein Sonne Adam-Side Project ist und für mich nach: „Buche Sonne Adam und Venomous Skeleton zusammen, dann zahlst du nur so und so viel.“ klingt. Naja, es war ganz nett, aber mehr auch nicht. Außer einzelnen Riff-Momenten war hier nicht viel rauszuholen.

Concatenatus aus Chile konnten dafür umso mehr überzeugen. Erinnerungen an Mayhemic Truth und Moonblood wurden wach. Denn die Zweimann-Band spielte simplen atmosphärischen Black Metal, der ganz stark an alte deutsche Helden erinnerte. Natürlich nicht so grandios wie diese Vergleiche, aber dafür genauso authentisch. Schade, dass es immer weniger Bands gibt, die genau diesen alten Spirit so lebhaft verkörpern können.

Bei Ggu:ll riskierte ich nur wenig Zeit um die Band als langweiligen Drone-Doom abzustempeln und davon gelangweilt auch die nächsten Bands sausen zu lassen und das leibliche Wohl wieder einmal in den Vordergrund zu rücken.

Wichtig war an diesem zweiten Tag sowieso nur noch Urfaust, welche auch dieses Mal einen wunderschönen stimmigen Bühnenaufbau mit viel Kerzenschein, Rauchwerk und einem opulenten Altar hatten. Urfaust sind sowieso immer gut und bieten eigentlich keinen Platz für Kritik. Außer vielleicht den Punkt, dass die Setlist sowieso fast immer die gleiche ist. Aber heute kamen neben den klassischen Set-Nummern auch Synthies zum Einsatz. Leider konnte ich die Titel nicht zuordnen, aber wenn ich mich nicht täusche wurden Nummern von der Apparitions gespielt. Highlight des Auftritts war aber wie immer das majestätische „Unter Töchtern der Wüste“, dicht gefolgt vom Gin Tonic-Konsum des Herrn VRDRBR welcher den Stick immer noch bei jeder Gelegenheit hoch hält und auch gerne im Stehen spielt.

Für mich wäre hier schon Feierabend gewesen denn für mich folgten nur noch Bands deren Hype für mich ungerechtfertigt ist. Denn weder Sulphur Aeon wissen mich zu begeistern, noch Sinmara, denen ich aber dennoch eine Chance gab. Sie waren zwar besser wie vor einem halben Jahr, als ich sie das letzte Mal gesehen hatte, dennoch wirkt die Band für mich wie ein Abklatsch großer isländischer Namen, obgleich die personellen Überschneidungen mit ebendiesen das Ganze entkräftigen sollten. Doch an Bands wie Svartidauði, Almyrkvi und Wormlust kommen Sinmara für mich einfach nicht im Entferntesten ran.

So endet das Festival für mich mit einem Fazit, dass die Luft halt doch irgendwie ein wenig draußen ist. Die bezaubernde Atmosphäre der beiden Vorgänger konnte ich dieses Jahr nicht entdecken. Schade, aber man wird sehen ob es zu einem weiteren Mal kommen wird. Doch wird es ohne erneute Auftritte von Bands nicht funktionieren und ob das Ganze dann noch sinnvoll und notwendig ist, wenn man nicht nur eine Aneinanderreihung von Wiederholungen bieten will bleibt fraglich.

Verfasst im Mai 2017 von SB

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.