Ne Obliviscaris – Tour 2018 im Backstage Club in München

Ne Obliviscaris, der Bandname, der übersetzt soviel wie nicht vergessen bedeutet, hat hier seinen Sinn nicht verfehlt!
Nachdem die Europatour zum neuen Urn Album, dass im Oktober 2017 das Licht der Welt erblickte, verschoben werden musste, erschien das Sextett aus Down Under nun am 4. April 2018 in München und bescherte uns im Backstage Club vor ca. 150 Metalheads das sehnlichst erwartete Konzert.

Ne Obliviscaris München Backstage Club 2018

Wenn man fragt, was die Band, die den langen Weg von Australien (Melbourne) zu uns ins Backstage unternahm überhaupt für Musik macht, respektive welcher Spielrichtung sie zuzuordnen wäre, muss man, um zu einer einigermaßen schlüssigen Einschätzung zu kommen, wohl mehrere Metalgenres gedanklich in Anspruch nehmen.
Ein Ansatz wäre vielleicht: Progressiver, melodischer, experimenteller technical Death Metal in Verbindung mit Black Metal Einflüssen.

Nachdem die Vorbands dieses Abends, nämlich Virvum und Allegaeon, ihre Sets beendeten und ihr Werkzeug von der Stage geschleppt hatten, drängten sich die sechs Australier auf der kleinen Bühne im Club zusammen. Die Hälfte der Fläche wurde schon durch das Schlagzeug, an dem Daniel Presland saß beansprucht. Den übrigen Platz, teilten sich die beiden Gitarristen Benjamin Baret (Lead Gitarre) und Matt Klavins (Rhythmus Gitarre), der neue Bassist der Band Martino Gerattoni und die beiden Sänger Marc Xenoyr Cambell (Screams und Growls) sowie Tim Charles (Clear Gesang).
Ein Stilelement der Band ist der Einsatz einer Violine, die Tim Charles bei Bedarf an den Hals nimmt, um ihr einige wunderbare Töne zu entlocken.

Das Konzert begann mit dem Einspieler Devour Me, Colossus (Part II) Contortions, einem Track, der dem Album Citadel entnommen wurde.

Als dieser verklungen war, ging es im Livebetrieb mit Libera (Part I) Saturine Spheres aus dem neuen Urn Album los.
Vorsichtig tasteten sich die Gitarren an das Geschehen heran, bevor sie dann Geschwindigkeit aufnahmen. Ein wenig später setzte Tim Charles mit seiner gefühlvollen Clearstimme ein, bevor ihn Xenoyr mit seinen mächtigen Growls ablöste. Dann folgte ein Clear-Growl Duett der beiden Sänger, dass von ständigem Schlagzeugfeuer begleitet wurde. Nach einem wunderbaren Gitarrensolo führe Tim Charles den Song zunächst gesanglich, später durch die Klänge seiner Violine weiter. Zum Ende hin, griff Xenoyr nochmals mit seinen Growls in das Geschehen ein, das bis zum Schluss, von komplexen Gitarrenläufen und Riffs begleitet wurde.
Textlich geht es in dem Stück um den Frevel, den der Mensch an der Natur durchführt und der Beschreibung der Apokalypse, in etwas abstrakter Form.

Der zweite Song, And Plague Flowers The Kaleidoscope aus dem Album Portal Of I, begann mit Violinenklängen im Flamenco Stil, die durch wuchtige Gitarrenläufe und den einsetzenden Growlgesang von Xenoyr übernommen wurden, begleitet immer wieder durch Cleargesang und Violinen Unterstützung von Tim Charles. Nach einem Rhythmuswechsel, der durch einige Schlagzeugsalven eingeleitet wurde, trat abermals Xenoyr mit aggressiven Growls in Erscheinung.
Es folgte ein atonales Zwischenspiel, bis das Lied durch den Cleargesang und Screams wieder in ruhige melodische Gefilde geführt wurde.

Intra Venus war der nächste Song im Set. Er stammte aus dem Album Urn und handelt von der Vergänglichkeit des Lebens innerhalb der Natur und der Hoffnung über Schmerz und Tod auf eine Erneuerung des Wesens zu kommen.
Demzufolge leiteten langsame Gitarrenklänge das Stück ein. Im Verlauf entwickelte sich der Song bedingt durch progressive Elemente die durch die Gitarren und das Schlagzeugs erzeugt wurden, sowie den Growls von Xenoyr zu einem thematisch theatralisch wirkenden Songkomplex. Aufgelockert wurde das Soundbild danach wieder durch den zusätzlichen Cleargesang von Tim Charles. Der Song pendelte zwischen Genialität und Wahnsinn. Gitarren, Bass, Schlagzeug, Gesang und nicht zuletzt die Violine lieferten genau das, was die Fans des progressiven Metals erwarteten! Eine geniale Komposition!

Tim Charles kündigte den folgenden Track kurz an. Es war Painters Of The Tempest (Part II): Triptych Lux aus dem Album Citadel. Dieser Song war zweifelsohne ein Highlight des 2014er Albums. Er dauerte ca. 16 Minuten und bot dem geneigten Publikum von aggressiven Growls, Screams, Cleargesang, Gitarrenriffs in Verbindung mit komplexen Passagen, eingängige Melodien, Schlagzeugsalven, genialen Rhythmuswechseln und natürlich immer wieder gefühlvolles Violinen Spiel, also so ziemlich alles was die Musik dieser Fachrichtung aufbieten konnte. Einfach ein Song zum Zuhören!!!!
Bevor die letzten Takte dieses Stücks erklangen, wurden die Jungs schon mit tosendem Beifall des Publikums überschüttet. Auffällig in diesem Zusammenhang war, dass die Band viele Fans aus Australien und den USA in den Backstage Club mitbrachten.

Der nächste Song war Eyrie aus dem Album Urn. Ein Stück, dass voller Melancholie steckte und von der Band angabegemäß zum größten Teil an einem Tag zwischen Soundcheck und Show geschrieben wurde.
Violine und die Stimme von Tim Charles versetzten das Publikum für eine kurze Zeit in eine Traumwelt, bevor Xenoyr dazwischenfunkte und die Zuhörerschaft wieder wachrüttelte.

Die folgenden Songs des Sets waren Urn (Part I): And Within The Void We Are Breathless und
Urn (Part II): As Embers Dance In Our Eyes. Beide aus dem gleichnamigen Album.
Urn (Part I) war durchsetzt mit atonalen Passagen für die wieder Schlagzeug, Bass, Gitarren und nicht zuletzt die umherfliegenden Growls in der Halle verantwortlich waren. Sogar die Violine erzeugte diesmal die dazu passenden schrägen Töne.
Urn (Part II) begann zunächst mit aggressiven Growls von Xenoyr, die durch teils wuchtige, teils kreischende Gitarren im Hintergrund unterstützt wurden.
Im Verlauf des Stückes brachte die Mischung zwischen Screams, Growls und Clear Stimme eine melodische Abrundung.

Das letzte Stück des Sets war Devour Me, Colossus (Part I) Blackholes aus dem Citadel Album.
Es handelte sich wieder um ein 12 Minuten Stück, bei dem die beiden Sänger sich zunächst zwischen Growls, Screams und Clear Vocals abwechselten. Man konnte den Eindruck gewinnen, daß Xenoyr durch seine aggressiv wirkenden Growls den bösen und Tim Charles durch seinen melodisch abgerundeten Cleargesang den guten Part der Geschichte übernommen hat.
Beide Seiten wurden durch teils wuchtige Gitarreneinsätze unterstützt. Im Verlauf des Songs gab es noch eine längere Streicheleinheit für die Violine, bevor das Finale durch die Vocals der beiden Sänger eingeleitet wurde.

Mit viel Applaus hat das Publikum die Truppe nach ca. 1 ½ Stunden verabschiedet. Es war ein wunderbares Clubkonzert, bei dem man sich auf die anspruchsvolle Musik konzentrieren konnte, ohne einen störenden Geräuschpegel im Hintergrund zu verspüren. Der Bandname, die Genredefinition, lange Songtitel, philosophisch wirkende Textgestaltungen und eine komplexe, ja manchmal auch kompliziert komponierte Musik, es passte irgendwie alles zusammen! Das war und ist Ne Obliviscaris!!! Ich wiederhole mich gerne: Eine Band, die zwischen Genie und Wahnsinn schwebt!

 

Verfasst im April 2018 von Roland Hesse
Alle Fotos von Roland Hesse

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