CD Review: TAV – I

Im Münchner Untergrundgeschehen, respektive in der Abteilung aus dem der atmosphärische, teils auch progressive Metal seinen Ursprung herleitet, hat eine geheimnisvolle Bewegung Namens TAV, dem interessierten Publikum ihr Debütalbum mit dem Titel “I“ vorgestellt. Kein Line-up, keine veröffentlichen Songtexte! All das bleibt im Verborgenen und wird als nicht wichtig eingestuft! Die Aussagekraft des geheimnisvollen Gesangs ist dem Hörer lediglich zur Selbstinterpretation überlassen. Priorität hat nur, was der Hörer auf dem Tonträger musikalisch wahrnimmt! In diesem Sinne beginnt das Erstlingswerk dieser mysteriösen Untergrundbewegung, das über Ván Records an das Tageslicht gekommen ist mit dem Titel

Boundless Gaol! Tief gestimmte Gitarren und der Bass leiten den in langsamen Tempo beginnenden Song ein. Dann mischen sich einige helle Töne dazwischen. Im Verlauf kommt das Schlagzeug mit langsamen, bedächtigen Beats hinzu, bevor die Gitarren dem Lied eine melodiöse Richtung geben und das Soundbild eine schöne, atmosphärische Struktur bekommt. Der helle, mit Hall durchsetzte Gesang, an den man sich zunächst einmal gewöhnen muss, bei dem man jedoch im Verlauf des Albums feststellen kann, dass er stimmig in das Gesamtkonzept eingebunden ist, vermittelt dem Song nun kurzzeitig eine etwas progressivere Richtung. Vielleicht vergleichbar, mit der Umstellung einer Platten Abspielgeschwindigkeit von 33 rpm auf 45 rpm!
Die Stimme steht, bedingt durch ihre progressive Ausdrucksweise, bis zum Ende des Stückes in gegensätzlicher Richtung zu dem sehr ansprechenden, instrumentalen, melodischen Klangbild.

Der zweite Track des Albums ist Umbilical Cord. Der Synthesizer, das Schlagzeug und die abermals tief gestimmten Saiteninstrumente, die sich im Mid-Tempo bewegen, vermitteln zunächst einen schönen melodischen Einfluss. In Verbindung mit dem Schlagzeug, das auf Tempo geht, und dem einsetzenden hellen, mittels Hall unterlegtem Gesang, bekommt das Lied eine erzählerisch wirkende Ausdrucksweise, die inhaltlich dem Hörer wie schon gesagt, verborgen bleibt. Synthesizer und Gitarren übernehmen dann wieder und erzeugen eine einprägsame, ansprechende Melodie, bevor sich die Voices wieder einmischen und den Song zu seinem Ende führen.

Mit A Baggar´s Dream Of Death geht es in runde drei auf dem Tonträger. Von diesem Song gibt es auch ein Video, das eine mit Bäumen geprägte Landschaft unter einem bewölkten Himmel zeigt.
Hierzu passend, kann man den musikalischen Eindruck wirken lassen, der sich zunächst durch langsame Synthesizer Einflüsse in Verbindung mit Gitarren Begleitung und langsamen Schlagzeug Beats präsentiert. Hinzu kommt die gehauchte, Hall betonte Stimme, die durch die tiefen Töne der Saiteninstrumente begleitet wird und sich dann gefühlvoll den harmonischen Strukturen der Instrumente anpasst. Besonders bei diesem Song kann man das Gefühl entwickeln, sich zwischen Raum und Zeit zu bewegen, bevor man mittels einiger progressiv wirkenden Tonfolgen wieder auf den Boden der Tatsachen bzw. vor die Lautsprecher geholt wird! Geschickt wird hier auch mit der Gleichförmigkeit der Stimme kokettiert, indem man diese, mit ansprechenden Melodien kombiniert, um dadurch eine atmosphärische Struktur zu erzeugen.

Song Nummer vier ist Silken Slumber. Dunkel und basslastig, ergänzt durch helle Gitarren! So kommt das Lied in die Ohren des Hörers! Unterstützt durch die Gitarren, die eine schöne melancholische Melodie im Hintergrund beisteuern, führt wieder die markant helle, technisch gut bearbeitete Stimme durch das Lied. Den Gitarrenriffs, die in melodische Strömungen eingebunden sind, folgen die dem Rhythmus angepassten Erzählungen. In der Folge treibt das Schlagzeug das Geschehen an und leitet damit eine etwas aggressivere Phase ein, die zum Ende des Songs in ein Mid-Tempo, begleitet durch einige helle Tonfolgen der Gitarren, übergeht.

Snow Upon Our Graves ist der fünfte Track. Auch von diesem Stück existiert ein Video. Mit langsamen, bedächtigen Gitarrenanschlägen die im Anschluss basslastig im Doom Keller verschwinden, bewegt sich das Lied durch das Video, in dem man eine Berglandschaft erkennt, die verschwimmt und sich im Anschluss daran wieder aufklärt. In diesem Zusammenhang erzählen die Voices leidend und langsam, unterstützt durch die Gitarren ihre Geschichte. Gefühlt wird man musikalisch durch eine Nebellandschaft geleitet. Nach einem Tempowechsel in den Bereich der langsamen, tiefen und lang gezogenen Töne die durch die Saiteninstrumente erzeugt werden schreitet der Song unter Schlagzeug Begleitung, instrumental weiter durch die verschwommene Landschaft. Nach dem Wechsel in etwas schnellere Gefilde erzeugen die Gitarrenläufe wunderbare Melodien. Im weiteren Verlauf setzt wieder eine harmonische Gesangsbegleitung ein und führt den Song seinem Ende zu.

Das letzte Stück des Albums ist Cinder. Melodisch und durch tiefe Gitarren geprägt, erscheint der Song aus der Dunkelheit im Licht. Unverständliche und geheimnisvolle Vocals kommen hinzu. Für den progressiven Part sind Bass und Gitarren zuständig. Die Ablösung erfolgt durch den melodischen Teil im Hintergrund. Der Gesang schleppt sich etwas gleichförmig bis an das Ende des Tracks.

TAV, I – ein Werk, das von einer unsichtbaren Band produziert wurde! Von Musikern, die wohl nicht zum ersten Mal ein Instrument in der Hand hielten und unterstellt, auch schon Erfahrungen mit der Produktion von Tonträgern gesammelt haben. Gleichgültig in welches Genre oder besser ausgedrückt in welche Genres man das Projekt einordnen möchte, entscheidend ist der musikalische Output. Es ist eine gelungene Mischung aus sehr schönen Melodien, verbunden mit interessant gestalteten musikalischen Anleihen aus dem breit gefächerten Metal Bereich. Der Schwerpunkt des Werkes beinhaltet zum einen meist ruhige progressive Elemente und zum anderen sehr gut durchdachte, melodische Parts mit viel Atmosphäre.
Gerade deshalb ist der Tonträger, den man als CD oder Vinyl (2 LP´s) über Ván Records beziehen kann, für die Freunde des gepflegten Metals sämtlicher Genres und nicht nur für diese, eine Bereicherung für den Plattenschrank!
Hier noch ein Hinweis: Am 13. August 2020 geben TAV im Backstage in München ein Live Konzert. Vielleicht verlieren die Bandmembers dort auch ihre Tarnkappen!

BandTAV
AlbumI
Titel1. Boundless Gaol 10:34
2. Umbilical Cord 8:29
3. A Beggar´s Dream Of Death 7:02
4. Silken Slumber 11:32
5. Snow Upen Our Graves 8:31
6. Cinder 8:01
LabelVán Records
GenreProgressiver, atmosphärischer Metal
StudioalbumNr. 1
Veröffentlicht30. Juni. 2020
HerkunftDeutschland / München
Gründung2017
MembersEine geheimnisvolle Bewegung aus dem Münchner Metal Untergrund

Verfasst im Juli 2020
von Roland Hesse

 

 

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