Solstafir – Berdreyminn Tour 2017 in der Theaterfabrik in München

Berdreyminn Tour München

Während die fünf Eismänner aus Island am 29. November 2017 die Bühne betraten, sich zu ihren Instrumenten begaben, um diesen die ersten Töne zu entlocken, konnte das Publikum zwischenzeitlich gespannt sein, welcher Song nach dem Einspielmodus folgte.
Zunächst ging es mit einem improvisierten Prolog weiter, der vor allem durch die Gitarren, die Saepór Marius Saepórsson und Adalbjörn Tryggvason spielten und dem Bass, den Svavar Austmann bediente, eingeleitet wurde.
Nach einigen Minuten der Ungewissheit, kam dann des Rätsels Lösung!
Der Sound entwickelte sich allmählich und auf kreative Weise zu dem Opener Silfur-Refur, aus dem aktuellen Album Berdreyminn, einem Song der von einer dunklen Macht die in uns lebt und die versucht die Kontrolle unseres Handelns zu übernehmen erzählt.
Als die Gitarren, sowie der Bass, die ruhige Anfangsphase des Stückes zu Ende gebracht hatten, stimmte der Frontmann Adalbjörn Tryggvason mit seiner kräftigen teils schreienden, teils klagenden Stimme, in das Geschehen ein und sorgte für einen Rhythmus und einen Stimmungswechsel des Songs, der im Hintergrund von dem am Schlagzeug sitzenden Hallgrimur Jón Hallgrimsson untermalt wurde.

Nach circa 10 Minuten war der Opener beendet. Ohne größere Überleitung folgte dann Ótta, der Titeltrack aus dem gleichnamigen Album von 2014.
Es handelte sich um ein langsam gespieltes Stück, dass getragen von atmosphärischen Klängen die durch die Gitarren erzeugt und am Ende des Songs durch die Stimme des Sängers verstärkt, dem Publikum vermittelt wurde.
Wer wollte, konnte sich über 9 Minuten, so lange dauerte der Song, von der Band in eine Traumwelt versetzen lassen.

Damit jedoch nicht genug! Es folgte nun der Track Lágnetti, ebenfalls aus dem Ótta Album.
Man konnte weiter träumen! Nach langsam beginnendem Gitarrenspiel, integrierte der Frontmann seine klagenden, schleppenden Vocals in das Klangbild.
Plötzlich jedoch, setzte das Schlagzeug ein und trieb den Song in etwas schnellere Gefilde. Nun wechselten auch die Gitarren in ein höheres Tempo und der Gesang in schnelle aggressive schreiende Vocals.
Das alles untermalt durch einen melodisch stimmigen Sound.

Nach einer Begrüßungsansprache an die ca. 700 zu diesem Konzert erschienen Metalheads durch Adalbjörn Tryggvason, in der er erwähnte, dass die Band immer wieder gerne in München spielt, stellte er auch die Frage, welcher Song denn nun gewünscht wird?
Die Forderung der Metalheads war laut und eindeutig. Fjara natürlich!!!!
Und was kam?
Natürlich:
Isafold aus dem aktuellen Berdreyminn Album. Ein Stück in dem die Stimme des Leaders wieder voll zur Geltung kommen konnte. Seine klare, klagende melodische Stimmgewalt wurde durch das Keyboard, -an dem während der Tour Ragnar Olafsson stand- und die Gitarren unterstützt. Ein schöner melodischer Song!

Das Klangbild von Solstafir ist mit Worten kaum zu beschreiben. Eine eindeutigen Definition der Musikrichtung innerhalb des Metals ist nahezu unmöglich, da die Band einen eigenen unnachahmlichen Stil entwickelt hat. Festzustellen ist jedoch, dass Solstafir in ihrer Geschichte schon einige Genres bediente. So sind die beiden ersten Alben im Black/Viking Metal anzusiedeln. Auch diverse Punkeinflüsse waren hörbar. Später änderte sich dann die Richtung und es entwickelte sich der aktuelle Stil aus einer Kombination von isländischer Folklore,
Psychadelic, progressiven Elementen, Doom und Rock.

Nach der kleinen Abschweifung, nun wieder zurück zum Konzert!
Der folgende Song der Setliste war Köld aus dem gleichnamigen Album von 2009. Nach einem progressiven Start mittels Gitarren und Schlagzeug, leitete der Sänger den Sound durch einsetzende langsame in die Länge gezogene Töne in harmonische Sphären, die kurz danach jedoch wieder disharmonisch durch die Gitarren unterbrochen wurden.
Köld bewegte sich ständig in einem Spannungsbogen zwischen Harmonie und Disharmonie. Einfach genial!

Jetzt kam Hula, abermals ein Track aus dem Berdreyminn Album an die Reihe. Es handelte sich hier um einen traurigen Song. Man konnte dies auch an dem musikalischen Verlauf ablesen. Zunächst brachten sich die Gitarren, die durch das Keyboard unterstützt wurden, langsam in das Geschehen ein. Im wesentlichen bestand das Stück aus einem langen ausgedehnten akustischen Part. Erst im späten Verlauf setzte die Stimme des Sängers ein, der dem Track nochmals einen Ausdruck von Wehmut verlieh.

Man sagt den nordischen Eismännern ja manchmal nach, dass ihre Auftritte etwas unterkühlt wirken.
Das liegt im wesentlichen an der musikalischen Darbietung der Band. Ein Mosh- oder Circle Pit ist auf einem Solstafir Konzert natürlich nicht zu erwarten.
Auch heute nicht, dennoch machten sie ihrem Namen „Solstafir“ – welchen man mit „sich ausbreitende Sonnenstrahlen“ übersetzen kann – alle Ehre.
Die Bandmembers hatten sichtlich unheimlich viel Spaß an ihrem Gig und der Funke ist nahtlos auf das Publikum übergesprungen.

Nun war der nächste Song an der Reihe! Jetzt war es soweit! Die Hymne von Solstafir! Fjara aus dem Svartir Sandar Album von 2011.
Was soll man zu diesem Song noch sagen. Einfach genial! Am besten man schloss die Augen und träumte von der rauen isländischen Landschaft, von Geysiren, Meer und Bergen. Wer das Video zu Fjara kennt, hat sich dieses möglicherweise während des Songs vor Augen geführt.
Als die letzten Akkorde erklangen, wurden diese bereits durch den Applaus der Metalheads übertönt.

Die gute Stimmung im Publikum wurde durch Adalbjörn Tryggvason aufgenommen, der nun zunächst einmal seine Mitstreiter vorstellte und dann etwas über den folgenden Track, nämlich Bláfjall, erzählte.
Es geht hier um den Kampf gegen Dunkelheit und seine eigenen Dämonen, aber auch um die Hoffnung sich von diesen befreien zu können, wenn man die Chance ergreift.
Bláfjall aus dem Album Berdreyminn begann mit schreienden klagenden Vocals des Sängers. Nach kurzer Zeit setzte ein aggressives Gitarrenspiel ein. Der Frontmann griff hier, wie auch bei den meisten Songs selbst zur Gitarre und verstärkte dadurch das Klangbild.

Das Set, wurde durch den Song Goddess of the Ages, ein Track vom Köld Album aus dem Jahre 2009 komplettiert.
Vorher betrieb der Leader noch einmal Konversation mit den Publikum und forderte zur aktiven Teilnahme durch Screams der Metalheads zu dem finalen Song auf.
Das Schlagzeug im Vordergrund, leitete zusammen mit den Gitarren den Song ein. Kurz darauf fügte der Frontmann mittels seiner Vocals alles zu einem genialen melodiösem Klangteppich zusammen.

Ein wunderbares Finale zu diesem klasse Konzert.
Erwähnen sollte man noch die sehr gute, ausgewogene Songauswahl. Das Hauptaugenmerk hierbei fiel natürlich auf die Vorstellung des Berdreyminn Album.

Nach Beendigung der Veranstaltung, mischten sich die Herren Tryggvasson, Saepórsson und Austmann zur Freude der Metalheads noch unter das Publikum, stellten sich für Fotos zur Verfügung, tranken mit der Metalschar ein paar Bierchen und betrieben den einen oder anderen Smalltalk.

Danke Solstafir für dieses wunderbare Konzert!

Verfasst im Dezember 2017 von Roland Hesse
Alle Fotos von Roland Hesse

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