CD Review: Labyrinthus Noctis – Opting For The Quasi-Steady State Cosmology

Wer die Lust verspürt, einmal eine gedankliche Reise durch den Kosmos zu unternehmen und zudem eine Band hören möchte, die ihre Essenz aus den Genres Gothic, Doom, Dark und dem Prog. Metal generiert, der könnte mal in das im April 2018 erschienene Album von Labyrinthus Noctis
hineinhören. Der Longplayer, bei dem es sich um ein Konzeptalbum handelt, weist eine Spieldauer von 1 Stunde und 22 Minuten auf und trägt den Titel Opting For The Quasi-Steady State Cosmology.

Es handelt sich um das dritte Studioalbum der aus Italien (Mailand) stammenden Band. Sound und Text schwanken zwischen Traum und Wirklichkeit, Leidenschaft und Kälte, Liebe und Hass sowie Physik und Metaphysik. Labyrinthus Noctis wurde im Jahr 2002 durch die drei Bandmenbers, Moreno (Gitarren), Ark (Keyboards) und Aeb (Drums) gegründet. Im Jahr 2012 kamen mit Sin am Bass (Backing Vocals), sowie mit Ivy, die in 2017 den Gesangspart übernahm, weibliche Unterstützungen hinzu.

Der erste Song des Albums ist Reaching The Last Scattering Surface. Er beginnt mit langsamen, gezupften Gitarrenklängen und berichtet über das Ende der Welt sowie dem Erlöschen des letzten Lichtstrahls. Im Anschluss vermittelt Ivy den Zuhörern durch ihre angenehme, ruhige Stimme den Untergang des Universums. Sie singt von einer Materiewüste, kollidierenden Welten und erloschenen Sternen. Das Universum spiegelt lediglich noch die Vergangenheit wieder. Dieser Sachverhalt wird durch eine erhöhte instrumentale Geschwindigkeit dargestellt. Immer wieder mündet der Gesang von Ivy in eine melodische Abrundung ein. Zum Ende des Liedes wird der musikalische Part ruhiger und die Welt versinkt im Ozean.

Bei dem folgenden Stück mit dem Titel Cygnus, handelt es sich um einen wunderbaren, durch viel Melodie geprägten Song. Im Anschluss an die Thematik des ersten Tracks wird das erneute Sein in demselben Zeitsegment in Zweifel gesetzt. Ausgehend von einer Parallelwelt, die durch komplexe Formeln und von gegensätzlichen täuschenden Kräften entwickelt wurde, entsteht eine irreführende Dunkelheit, die in das Vakuum der Einsamkeit mündet.
Musikalisch wird die Thematik durch Synthesizer Klänge eingeleitet und durch ein kompaktes, sehr melodisches Gitarrenspiel, weitergeführt. Gleichzeitig begleitet Ivy mit ihrer variantenreichen, ausdrucksvollen Stimme den Song und verbindet so in authentischer Weise Text und Melodie. Stimmliche Unterstützung findet sie bei diesem Titel in der Gastsängerin Chiara Tricarico.

Der dritte Track trägt den Titel Melancholia. Nachdem zu Beginn der Bass und im Anschluss die Gitarren einige ruhige Klänge beigesteuert haben, erzählt Ivy im gleichmäßig ruhig-, „getragenem“
Mid-Tempo vom Ende der Menschheit, vom Scheitern der Wissenschaft und der Vernunft, sowie von der Hoffnungslosigkeit. Die Erde hat sich vernichtet, das Universum ist gestorben. Gitarren und Schlagzeug begleiten in harmonischer Weise den Gesang. Nach der genretypischen Textpassage, „jetzt bin ich ein prachtvolles Kunstwerk, das auf der ewigen Finsternis liegt“ und dem Refrain, hört man zum Schluss noch Windgeräusche, die den Song beenden.

Es folgt Negentropy. Es ist ein melancholisch vorgetragener Song, der der Phantasie des Hörers einen Interpretationsspielraum lässt. Hier steht die Lyrik im Vordergrund. Eine Schneeflocke wird zu Wasser, ein Funke zu Licht. Dadurch verwandelt sich die Blume.
Die Zukunft wendet sich von der Vergangenheit ab. Das Chaos wird überschritten. Im Weltraum, in ewiger Stille findet man sich wieder.
Nach einem Synthesizer Einspieler, setzten die Gitarren, verbunden mit dem Gesang, der sich auch in hohe Tonlagen entwickelt, ein. Später geht es wieder in dunkler, getragener Weise weiter. Man könnte meinen, sich auf einer Fantasiereise durch die Galaxie zu befinden. Das Stück findet im Rahmen einiger ruhiger Gitarrenklänge dann sein Ende.

Bei dem nächsten Lied, Lament Of Melusine, geht es um eine Art Märchen, dass von Elfen, Hexen und Sirenen erzählt.
Passend zu diesem Thema beginnt der Song mit einem Einspieler, der Wassergeplätscher darstellt. Danach setzten ruhige Gitarren ein und die Sängerin führt mit ihrer dominanten Stimme durch das Stück.

Mit Linear A wird ein Song präsentiert, der die dunkle Seite der Macht darstellen soll.
Verloren im Grab der Vernachlässigung, Viren in ihrem Element, Knochen in der Wüste nach Jahrhunderten ihrer Vergessenheit, sind einige Textauszüge aus diesem Stück.
Musikalisch ist das Lied wieder durch den hervorragenden Gesangspart von Ivy sowie diverse Tempowechsel und teils markante Gitarrenarbeit geprägt.

Das nächste Stück (Kosmnaut Vladimir Komarov) ist dem Kosmonauten Vladimir Komarov gewidmet, der bei seinem ersten Raumflug verstarb. Der Text wird zu wesentlichen Teilen in russischer Sprache gesprochen. Im Hintergrund erfolgt die instrumentale Begleitung. Zeitweise übernimmt Ivy den Gesangspart. Zusammen mit einer progressiven, musikalischen Begleitung erinnert das Stück an einen Ausflug in das Weltall.
Text und Musik dieses Titels ergänzen das Konzeptalbum und bilden aufgrund einer etwas anderen Gestaltung in Bezug zu den anderen Tracks eine Ergänzung bzw. Auflockerung des Longplayers.

Dann ist Amborella Trichopoda an der Reihe. Hier geht es mit dem Konzeptalbum weiter. Wie im Text beschrieben, leitet die Amborella Trichopoda als erste Blume der Erde ein neues Zeitalter auf dem Planeten ein. Durch sie wurde neues Leben erschaffen um es gleichzeitig, bedingt durch die Schönheit der Pflanze wieder zu versklaven.
Musikalisch ist der Song durch Ivys ausdrucksvollen Gesang und die begleitende Gitarrenarbeit, die zeitweise auch wunderbare Solos hervorbringt, geprägt. Im Wechsel zwischen progressiven Elementen und harmonischen Passagen findet das Stück immer wieder einen schönen melodischen Abschluss.

Im folgenden Song „Noctis Labyrinthus,“ wird von rotem Staub und herrschendem Chaos, von Einsamkeit und nicht mehr vorhandenen Gewässern erzählt. Auf der Suche nach dem Zentrum verliert man sich in den Spulen des Noctis Labyrinthus. Kann hier ein Ausweg gefunden werden?
Das Lied beginnt mit einleitendem Gitarrenspiel, das dann in schnelle Gitarrenläufe mit Schlagzeugbegleitung mündet. Danach wird der Track im Mid-Tempobereich weitergeführt. Die Sängerin wirkt im Ausdruck mürrisch, dem Thema angepasst.

Der Titel Nummer zehn verfügt über keinen Text. Hydrocarbon Lakes beinhaltet verschiedene Klangspektren, die als Zwischenspiel zu dem nächsten

Titel Kiss The Scorpion, Or The Ballade Of Lilith And Mars hinführen.
Das Ziel der Reise durch den Kosmos ist nun beim Roten Planeten, dem Mars erreicht. Es handelt sich um eine andere Dimension, in der die Flamme eine Reflexion ist. Es findet nochmals ein letzter Blick zurück, sowie die Aufforderung zur Erinnerung an das, was man gelebt, respektive was man hatte statt.
Der Song endet mit den Worten: „Hier ist eine kalte Umarmung, hier ist der letzte Blick zum ewigen Tanz“.
Instrumental beginnt das Stück mit orientalischen Klängen. Im Verlauf fügt sich, begleitet durch die Gitarren und das Schlagzeug immer wieder der harmonisch, melodische Gesang der Sängerin ein.
Es entsteht ein ansprechendes Soundbild!

Das vorletzte Stück ist Wings Of Honneamise. Der Song nimmt von Beginn an Schwung auf.
Die Sängerin erzählt von dem Mut, die Welt und die Erinnerungen zu verlassen und in das Unbekannte aufzubrechen. „Und wenn Du einen Stern siehst, explodiert der Himmel. Du wirst wissen, dass ich jetzt nicht zurück kann und ich werde oben auf Dich warten“.

Zum Abschluss des Albums wurde noch der Song Padre Davvero von Mia Martini eingefügt. Es ist eine Hommage an die Künstlerin.

Insgesamt handelt es sich bei Opting For The Quasi-Steady State Cosmology um ein gutes, in sich stimmiges Werk, das nicht nur durch die genretypische, textliche Ausgestaltung, sondern auch durch die ansprechende, musikalische Umsetzung auffällt. Besonders die ausdrucksvolle Stimme der Sängerin Ivy, vermittelt dem Album noch eine besondere Atmosphäre. Vielleicht hätte es dem Longplayer gut getan, wenn er etwas schlanker produziert worden wäre, da die lange Laufzeit den Spannungsbogen etwas reduziert.
Für alle Freunde der dunklen, sanften im Gothic Stil getragenen Musik, ist die Anschaffung der CD sicher lohnenswert.
Das Album wurde in Form eines zwölfseitigen Booklets über das Label „Vomit Arcanus Productions“ veröffentlicht.

BandLabyrinthus Noctis
AlbumOpting For The Quasi-Steady State Cosmology
Titel1. Reaching The Last Scattering Surface 6:48
2. Cygnus 5:16
3.Melancholia 7:42
4. Negentropy 8:30
5. Lament Of Melusine 4:21
6. Linear 6:41
7. Kosmonaut Vladimir Komarov 7:34
8. Amborella Trichopoda 5:50
9. Noctis Labyrinthus 7:04
10. Hydrocarbon Lakes 2:07
11. Kiss The Scorpion, Or The Ballade Of Lilith And Mars 5:25
12. Wings Of Honneamise 8:37
13. Padre Davvero 6:20
Label"Vomit Arcanus Productions"
GenreGothic, Drak, Doom, Prog.
StudioalbumNr. 3
Veröffentlicht16. April. 2018
HerkunftItalien / Mailand
Gründung2002
MembersMoreno: Gitarren
Ark: Keyboards
Aeb: Drums
Sin: Bass, Backing Vocals
Ivy: Vocals

Verfasst im Oktober 2018
von Roland Hesse

 

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