CD Review: Wicked Disciple – Rules In Debris

Im Rahmen der Erforschung des metalischen Untergrundes, stößt man aktuell unweigerlich auf
eine Band aus Bottrop, namens Wicked Disciple.


Seit anno 2015 bereichert die 3-Mann-Combo von Patrick „Ted“ Donath, der für den Gesang und die Gitarre zuständig ist, sowie Michael Neugebauer, der ebenso eine Gitarre und den Bass in der Hand hält, die Musikwelt des Metals. Später vervollständigte Alex Knauf, der am Schlagzeug sitzt das Trio. Alle drei Protagonisten waren auch schon in anderen Bands tätig und verfügen über langjährige musikalische Erfahrung, die hörbar in das zweite Studioalbum „Rules In Debris“ eingebracht wurde.

Die Frage in welches Metal Genre man Wicked Disciple einordnen könnte, ist zwar nicht wichtig, aber durchaus interessant, lässt sich jedoch nur schwer beantworten und ist von Song zu Song des neuen Longplayers unterschiedlich zu interpretieren. Genau diese Tatsache deutet bereits an dieser Stelle auf eine abwechslungsreiche, musikalische Produktion hin.
Sicherlich sind Einflüsse aus der progressiven Abteilung und dem Stoner Rock zu vernehmen. Ebenso sind Auszüge aus den Abteilungen Industrial und Nu Metal und etwas Heavy Metal zu hören.
Beachtenswert sind auch die Lyrics! Die Texte der einzelnen Songs lassen sich meist allegorisch auf unsere Gesellschaft projizieren.

In diesem Sinne kommen wir zum ersten Song des Albums, der …And Jaundiced King Was Slained betitelt ist. Inhaltlich geht es um einen einsamen, verbitterten König, der keinen Sinn und Zweck in seiner Regentschaft sieht, da seine Untergebenen ihm nicht folgen und er nur durch Gewaltausübung den Gehorsam erzwingen kann. Musikalisch umgesetzt wird die Handlung durch einen progressiven Beginn des Songs mittels des Einsatzes von Schlagzeug Gitarren und Bass. Dann setzt der kratzige, raue Gesang von Patrick „Ted“ Donath ein und die Gitarren drücken ihre teils atonale Tonfolge, im Stile vielleicht bedingt vergleichbar mit Al Jourgensen von Ministry, dazwischen. Später erfolgt ein Rhythmuswechsel und eine Gitarre übernimmt den Part zum Zwecke eines melodisch gespielten Solos. Dann wird die Geschwindigkeit wieder erhöht und es folgen schelle auch teils in progressiver Spielweise gestaltete Riffs.

Der zweite Song lautet Salvation Or Decline. Hier werden in den Track Synthesizer Klänge eingespielt, bevor die Gitarren ihre Töne „spucken“. Der Frontmann bringt zunächst die Aggressivität in seiner Stimme zum Ausdruck, bevor sie wieder in mildere Sphären geführt wird. Dieser Wechsel findet im Verlauf unter entsprechender instrumentaler Begleitung wiederholt statt.
Kurz vor Beendigung des Songs, darf die Gitarre zu einem atonal wirkenden Solo ansetzen. Der Frontmann führt das Lied, das von einer zerrissenen Persönlichkeit handelt, die ein Leben lang versucht herauszufinden, was falsch oder richtig ist und seelisch einer Manipulation unterliegt, dann gesanglich zu Ende.

Mit Through Cellphone Pane geht es weiter. Auch zu Beginn dieses Songs kann man wieder einige Töne aus dem Industrial Bereich erkennen. Passend zum Text, der von der Oberflächlichkeit in der heutigen Zeit handelt, also die sch….egal Mentalität widerspiegelt, schreitet der Gesang, der passagenweise auf Deutsch gehalten ist im Mid-Tempo voran. Dann erhöht sich plötzlich die instrumentale Geschwindigkeit und auch der Gesangsausdruck wird markanter. Die Lyrics erzählen weiter von einer meinungslosen Mitläufer und Mobilfunkgesellschaft, die die eigentlichen Probleme in der Welt ausblendet und nur den eigenen Egoismus schätzt. Auch hier dürfen die Gitarren wieder zu einigen wunderbaren Akkorden ansetzen, bevor der Sänger das Stück zum Ende bringt.

Der nächste Track des Albums ist Bite On My Tongue! Das Schlagzeug und die Gitarren treiben den Song im gleichmäßigen Rhythmus voran. Der Gesang passt sich flexibel, mal mit rauchiger Stimme, mal etwas schreiend dem Geschehen an. Nachdem die Gitarren weiterhin Druck ausgeübt haben, darf die Lead Gitarre auch mal höhere Töne dazwischen fügen, bevor Patrick „Ted“ Donath das Heft des Handelns wieder übernimmt.

Es folgt Tumbleweed Lullabies, ein „Schlaflied“, mit dem man sich gerne in das Reich der Träume begibt. Ein nach Meinung des Verfassers bemerkenswerter Song! Der Protagonist des Geschehens ist einer Lüge aufgesessen, die ihn in Kummer und Schmerz gebracht hat. Von einem Freund verraten! Zunächst tickt in dem Song eine Uhr. Dann melden sich die Gitarren mit Gesangsbegleitung und verbreiten eine schöne Melodie. Später erfolgt ein aggressiver Part, der allerdings nach kurzer Zeit wieder, gefühlvollen melodischen Einflüssen unterliegt. Danach erfolgt wieder das obligatorische Gitarrensolo. Im Wechsel zwischen schreienden, rauen Gesangsparts und melodischen Tönen wird der Song bis zu seinem Ende weiter geführt.

Rollercoaster Into Hell ist der folgende Song! Dieser hat sowohl instrumental, wie auch gesanglich einiges zu bieten. Interessante Riffs, die zwischen atonalen Songstrukturen und melodienreichen Parts schwanken, sowie eine progressive Spielweise der Gitarren in Zusammenspiel mit dem Schlagzeug prägen den Track. Die Stimme schwankt zwischen erzählend und aggressiv wirkend. Sie berichtet u. a. von der Gefangenheit in einer Welt des Wahnsinns, und der Verdammnis immer das Gleiche tun zu müssen. Achterbahnfahrt direkt in die Hölle! In einer Gastrolle steuert Jürgen Dachl einige Growls bei, die dem Stück einen weiteren positiven Einfluss verleihen.

Mit All Love Steel folgt ein Song, der im Rahmen einer ironischen Darstellung die Metal Szene kurz beschreibt. Beispielsweise durch Sentenzen wie ….wir sind die Metaler und beten zu Satan, trinken Bier, sind in einem Mosh gefangen, der unser Kriegsschauplatz ist oder schlagen jemand nieder. Wir sind aggressiv und böse! Im Anschluss an die Beschreibung erfolgt der Rat, sich die Szene einmal zu betrachten, bevor ein falsches Urteil getroffen wird.
Musikalisch umgesetzt wird der Track wieder im Industrial Stil in Verbindung mit einem schnellen Rhythmus, einer atonalen Spielweise und einer temporeich geführten Gesangseinlage. Die Gitarren spielen abermals einige interessante Riffs.

Never Surrender wird mittels eines schönen melodischen Beginns durch die Stromgitarren eingeleitet, die im Anschluss gezupft werden und zunächst eine ruhige Atmosphäre erzeugen.
In der Folge wird der Gesang aggressiver und die Instrumente variieren im Tempo. In den schnellen Phasen erzeugen die Saiteninstrumente und das Schlagzeug hier ein ordentliches Klangvolumen!
Melodische und atonale Passagen wechseln in interessanter Art und Weise ab! Im Hintergrund bildet sich ein harmonisch, melodisches Gesangsbild, zumindest solange, bis die Instrumente wieder auf Tempo gehen! Inhaltlich geht es bei dem Song um Hoffnung und sich Mut machen, sowie durch ein gestärktes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen seinen Weg zu gehen.

Und jetzt kommt der Song, an dem man nicht vorbei kommt, ohne sich einen Ohrwurm einzufangen und von dem es bereits ein sehenswertes Video gibt! Bei When I Die (2020) handelt es sich um einen Anti Kriegs Song, in dem Aussagen, wie…Gott, Geld und Waffen an meine Seite,… der wahre Gläubige der in diesem Krieg kämpft,… wenn ich sterbe, komme ich zu Gott etc. vorkommen.
Auch wird hier die Frage gestellt, warum die menschliche Rasse immer gleich handelt? Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in das Loch!
In etwa in diesem Sinne beginnt das Lied mit einer heulenden Sirene. Dann folgt eine schöne Melodie mit Gitarrenbegleitung, bevor der aggressive Gesang von Patrick „Ted“ Donath einsetzt und das Geschehen beschreibt. Durch Gitarrenriffs untermauert, schreitet der rau wirkende Gesang voran, bevor er in den wunderbaren Refrain mündet. Rhythmisch aggressiv geht es im Stoner Stil weiter. Dann folgt wieder, die Ohrwurm verdächtige Hookline. In der Folge setzen die Gitarren zu einem markanten Solo an. Der Gesang beendet dann das bemerkenswerte Stück!

Mit Neither Astronaut Nor Viking endet dann der offizielle Teil des Wicked Disciple Werkes!
Durch einige ruhige Gitarrenklänge, die in eine wunderbare Melodie eingekleidet sind, findet das Album Rules In Debris einen würdigen Abschluss!

Auf der CD sind noch 4 Bonustitel eingepresst, die allerdings nicht auf der Vinyl LP enthalten sind.

Es handelt sich um Blind Parrot´s Opinion (2020). Hier spucken die Gitarren gleich einmal los, während sich die Voices dann angenehm harmonisch einfügen. Immer wieder werden melodisch gestaltete Gitarrenriffs zwischen die rauchig heisere Stimme des Frontmannes gesetzt. Natürlich erscheint auch wieder das obligatorische Gitarrensolo, bevor der harmonische Gesang das Stück weiterführt.
Textlich geht es darum, sich seine eigenen Gedanken im Leben zu machen, anstatt der Knecht anderer zu sein!

Der zweite Bonustitel ist eine Akustik Aufnahme von Tumbleweed Acoustic Lullabies.
„Es lohnt sich da mal rein zuhören“!

Es folgt nun Theia Collides With Planet Earth. Dieser Song ist die gekürzte Fassung von Phobos, Deimos & Mars, der bereits auf dem Salvation Or Decline Album zu finden war.
Akustische Gitarrenklänge erzeugen schöne melodische Klangspektren. Im Anschluss wird die Stimmung durch die einsetzenden E-Gitarren harmonisch, melodiös weitergeführt. Der Rhythmus wird im weiteren Verlauf schneller ohne jedoch die Melodie zu verlieren. Zum Ende des Songs ergeben sich noch einige progressive Einflüsse, die die Vorstufe zu der wunderbaren Abschluss Hookline sind.

Der letzte Bonussong der CD ist Waiting For Redemption, ein stimmungsvolles Stück bei dem die Saiteninstrumente gleich zu Beginn „einheizen“. Der Refrain ist im Ohrwurmstil gestaltet. Dazwischen darf natürlich auch das Gitarrensolo nicht fehlen! Der Track dürfte den Freunden des Heavy Metals gefallen!

Zusammenfassend lässt sich resümieren, dass Wicked Disciple mit Rules In Debris ein Album vorgestellt hat, dass die musikalische Weitsicht und Kreativität der Band in Sachen Komposition und musikalischer Umsetzung unter Einbeziehung diverser Musikstile zum Ausdruck bringt. Man verrennt sich hier nicht in irgendwelche musikalischen Klischees, sondern bildet einen gradlinigen, abwechslungsreichen Sound mit diversen Finessen ab, ohne dabei das „Allgemeinwohl“ des Hörers zu vernachlässigen. Hier sind besonders die Titel Tumbleweed Lullabies und When I Die zu erwähnen!
Die neue CD mit den Bonustiteln erscheint über Culprited Lullabies am 7 Juli 2020. Die Schallplatte – für alle Vinylsammler hier der Hinweis, dass es nur 200 handnummerierte Exemplare gibt -, erscheint am 12. Dezember 2020. In die Streamingdienste kommen die Songs am 6. Juni 2020. Dieser Termin sollte aber nur der Vollständigkeit wegen erwähnt sein, denn diese Platte muss man unbedingt in den Händen halten!

BandWicked Disciple
AlbumRules In Debris
Titel1...And Jaundiced King Was Sleined 5:54
2. Salvation Or Decline 3:09
3.Through Cellphone Pane 4:00
4. Bite On My Tongue 3:49
5.Tumbleweed Lullabies 3:42
6. Rollercoaster Into Hell 4:41
7. All Love Steel 2:12
8. Never Surrender 4:52
9. When I Die (2020) (4:40)
10. Neither Astronaut Nor Viking (1:58)
CD Bonus Tracks:
01. Blind Parrot´s Opinion (2020) (3:24)
02. Tumbleweed Acoustic Lullabies (3:26)
03. Theia Collides With Planet Earth (7:01)
04. Waiting For Redemption (4:08)
LabelCulprited Lullabies
GenreProgressiv Metal, Stoner Rock, Industrial, Nu Metal, Heavy Metal
StudioalbumNr. 2
Veröffentlicht06. Juni 2020 (digital), 07. Juli 2020 (CD) 12. Dez. 2020 (Vinyl)
HerkunftDeutschland / Bottrop
Gründung2015
MembersPatrick "Ted" Donath: Gesang, Gitarre
Michael Neugebauer: Gitarre, Bass
Alex Knauf: Schlagzeug

Verfasst im Mai 2020
von Roland Hesse

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