CD Review: Profanity – Fragments Of Solace

Aus dem tiefen metalischen Untergrund respektive aus der Nische, in der die Bands des technischen Death Metals beheimatet sind, gibt es Neues zu vermelden! Die 3 Extrem Musiker von Profanity beehren uns am 4. Dezember 2020 mit ihrem neuen Album, dass den Titel „Fragments Of Solace“ trägt. Wie die Band selbst ausführt, hat man sich zum Ziel gesetzt, interessante und einflussreiche Death Metal Veröffentlichungen aus den 90er-Jahren als Grundlage zu verwenden, um diese dann mit einer Menge technischer Finessen ganz im Stile von Profanity zu ergänzen. Das Ergebnis sind sieben anspruchsvolle Album Tracks, die mit viel Zeitaufwand und einer sehr ordentlichen Portion Erfahrung auf die Tonträger gepresst wurden. Was dabei herausgekommen ist, soll im Rahmen der nachfolgenden Songbesprechungen beschrieben werden. Zunächst sei jedoch das Augenmerk auf das ansprechende Cover Artwork gerichtet, welches von Federico Musetti entworfen wurde und als Weltuntergangs Szenario gedeutet werden kann. Zu sehen ist ein Schädel, der umgeben von einem hellen Lichtschein aus dem aufbrausenden Ozean auftaucht und dabei eine bedrohliche Wirkung ausstrahlt.
Eine Besonderheit oder sollt man besser lieb gewordene Tradition dazu sagen, ist die Einladung an diverse Gastmusiker, auf dem Album einen Part im Rahmen einzelner Songs zu übernehmen.
Sämtliche Lyrics wurden von Martl Bauer, dem Ex – Bassisten der Band geschrieben.

Der erste Track des Werkes ist Disputed Territory. Er fängt an mit der Textzeile: „Es begann mit einer Explosion“. Genau so beginnt auch die musikalische Umsetzung! Das Schlagzeug Feuer, dass Armin Hassmann an den Drums verursacht und der Einsatz der markanten, tief ausgeprägten Growls von Thomas Sartor, der nebenbei mittels seiner Gitarre auch noch einige Salven heller Töne dazwischen schießt, kommen einer Detonation schon sehr nahe! Immer wieder drückt die filigrane Gitarrenarbeit des Frontmannes, die meist in progressive Phasen mündet, dem Stück „seinen Stempel auf“. Zwischendurch fügt auch mal der Bass, der durch Lukas Haidinger gehalten wird, seine tiefen Töne in den Song ein. Das Soundbild wirkt vor allem durch das Einspielen heller Töne der Gitarren zeitweise atonal, zumindest so lange, bis der Sänger seine dunklen, aggressiven Vocals durch die Membran der Lautsprecher drückt und damit das Geschehen an sich reißt. Zum Schluss des Songs hat die Gitarre noch mal ihren Auftritt. Dave Suzuki von Churchburn steuert hier sein Gitarrensolo bei. Der Text erscheint kryptisch. Einer Explosion folgte wohl die Ausrottung der Menschheit. Die wenigen, die zum Leben gezwungen sind, sondern die schwachen Formen aus. Die Jahrhunderte bringen einen verborgenen Mythos hervor. Entscheidungen und Verträge sind Makulatur. Am Ende steht das Ertrinken im Fegefeuer!

Das zweite Stück trägt den Titel Progenitor Of The Blaze und handelt von einem ewigen Feuer jenseits der Vorstellungskraft, aus dem es kein Entkommen gibt. Stammväter als Schänder und Terminatoren entfalten eine Chaosfront. Die Sonne wird in einem Käfig gefangen. Die Erde steht still, die Seelen weinen und das Leben stirbt.
Musikalisch haut das Schlagzeug zunächst einige Blastbeats heraus. Die Growls fliegen dem Hörer in feinster Death Metal Manier um die Ohren. Gleichzeitig unterstützt die Gitarre das Geschehen. Nach einer kurzen Pause geht es im Reigen weiter. Die Gitarrensaiten glühen und die Felle des Schlagzeugs sind einer Belastungsprobe unterzogen.
Immer wieder werden jetzt kurze Tempowechsel eingebaut. Der Bass fordert nun ebenso seine Daseinsberechtigung. Dann geht es atonal weiter. Es werden geschickte Rhythmuswechsel eingebaut. Später überbieten sich die Protagonisten in der Geschwindigkeit Ihrer Instrumente. Unerbittliche Growls folgen den vorauseilenden Schallwellen. Zum Ende des Songs hört man noch einige versöhnliche Gitarrenklänge.

Nun folgt Reckless Souls. Textlich handelt es sich hier wohl um eine Metapher, die verkürzt besagt, dass jeder vermeintliche Fortschritt auch ein Rückschritt sein kann.
In diesem Sinne feuern sich Gitarre und Schlagzeug gegenseitig an. In der Folge ergänzen sich die Growls und der Bass gegenseitig. Dann werden die Schlagzeug Salven durch technisch anspruchsvolle und sehr schnell gespielte Gitarrenriffs unterbrochen! Der Hals der Gitarre von Thomas Sartor dürfte zwischenzeitlich glatt poliert sein. Trotz der unglaublich flinken Grifftechnik schafft er es nahezu synchron, seinen tiefen, bösen Vocals freien Lauf zu lassen.
Dann erfolgt eine progressive Phase, in der man das Gefühl entwickelt, das die Tonfolgen von einem anderen Stern stammen müssten. Zum Schluss darf der Bass noch mal zu einem Solo anzusetzen.

Track Nummer vier ist Where Forever Starts. Hier bedient Martl Bauer, der Ex-Basser der Band das Instrument der tiefen Töne. Orgelklänge sorgen für den Auftakt des Stückes. Dann geht das Schlagzeug auf Tempo und die Saiteninstrumente erzeugen dazu eine dunkle Atmosphäre. Passend dazu fügt der Frontmann seine tiefen Vocals ein. Im weiteren Verlauf entwickelt sich ein progressiver Stil, der durch den Bass unterwandert wird. Es folgt eine atonale Phase, die den Old School Death ergänzt. Für kurze Zeit kann man sogar einige melodische Klänge vernehmen, die jedoch den folgenden aggressiven Growls wieder weichen müssen.
In Textauszügen ist die Rede von den vergessenen Fähigkeiten in Träumen zu sprechen, von Sternen, Wellen und Winden, die sich verbündet haben. Narben und Wunden sind immer noch allgegenwärtig. Söhne und Väter vereinen sich in Träumen. Die Vergangenheit ist gegenwärtig und ebnet zukünftige Wege. Ein kryptischer Inhalt, der nach Interpretation ruft!

Weiter geht es mit Towards The Sun. Hier bringt Dimitry Orlov von Fetal Decay seine Vocals als Gastsänger mit ein und Matt Sotelo von Decrepit Birth steuert ein Gitarrensolo bei. Es geht in der Handlung um verlorene Moral, um eine gefangene Wahrheit, um höhere Pflichten und um verschwundene Fragen. Alles läuft der Sonne entgegen. Sie ist Impuls für neues Wachstum.
Das Schlagzeug erzeugt unter Gitarrenbegleitung eine dunkle Stimmung. Thomas Sartor bringt seine Growls mit ein. Im Hochgeschwindigkeitsmodus geht es weiter. Atonale Klänge werden mit eingefügt. Der Gastsänger drückt seine Vocals im Death Core Modus auf den Tonträger.
In der Folge bekommt der Song wieder progressive Strukturen. Schnelle Gitarrenriffs tragen ihren Part dazu bei. Armin Hassmann gibt am Schlagzeug noch mal alles und die Gitarren wie auch die Voices donnern aus den Lautsprechern.

Track Nummer sechs ist Ceremony Of The Rotten Flesh. Der Sänger drückt gleich mächtige Deathschwaden in den Äther, begleitet durch sein eigenes Gitarrenspiel. Auch in diesem Song darf wieder ein Gast ein Gitarrensolo beisteuern. Es ist Terrance Hobbs von Suffocation. Rhythmuswechsel, helle Gitarrenriffs, die eine atonale Wirkung erzeugen und mächtige Growls prägen den Song. Auch der Bass erzielt abschließend eine dunkle Wirkung und rundet zusammen mit der Gitarre das Lied gebührend ab. In dem Stück wird von zerfallenen Körpern und sich auflösendem Verstand berichtet. Das Ende beginnt durch die Fäulnis der Seelen. Die einzige Rettung für die Verfaulten ist die Trennung vom Fleisch.

The Autopsy ist der letzte Song des Albums. Die Jagd ist vorbei, die perfekte Seele ist gefangen.
In einem wissenschaftlich analytischen Nervenkitzel wird diese Seele untersucht. Ziel ist ausschließlich eine wissenschaftliche Befriedigung des Geistes.
Musikalisch umgesetzt wird die Handlung wieder in vollem Speed. Die Vocals wirken aggressiv, böse und dunkel. Die Stimmbänder des Sängers werden zum Schluss noch mal massiv beansprucht und die Felle der Drums sind dem Durchbruch nahe. Auf diese Weise findet das Album in brachialer Form sein Ende!

Fazit:
Profanity, eine Band, die sich mittlerweile 27 Jahre im Death Metal Untergrund aufhält und sich dort auch sehr wohl fühlt, hat mit ihrem vierten Studioalbum ein bemerkenswertes Werk geschaffen, dass genrespezifisch sehr viel Beachtung bekommen sollte. Die technische Abteilung in Person von Thomas Sartor hat seiner Komposition einen hohen Schwierigkeitsgrad beigemessen. Fragments Of Solace beinhaltet den typischen Band Spezifischen brutal brachialen Stil, verbunden mit den besagten kompliziert angelegten technischen Finessen, die zusammen das Klangbild schaffen. Zu den Lyrics wäre anzumerken, dass sie interessant und sehr kryptisch ausgelegt, jedoch inhaltlich eher selten im klassischen Death Metal zu finden sind. Aber warum nicht mal etwas anderes schaffen! Da sich das gesamte Werk sowohl traditionell wie auch experimentell darstellt, ist es insgesamt gesehen wiederum sehr stimmig. Alle Metalheads die den technischen Death Metal hören, werden an Fragments Of Solace nicht vorbeikommen!
Erhältlich ist der Tonträger als CD – digi pack oder in Form einer Vinylscheibe.

BandProfanity
AlbumFragments Of Solace
Titel1. Disputed Territory 4:52
2. Progenitor Of The Blaze 6:39
3.Reckless Souls 8:23
4. Where Forever Starts 9:12
5. Towards The Sun 4:48
6. Ceremony Of The Rotten Flesh 4:38
7. The Autopsy 2:02

LabelIndependent
GenreTechnical Death Metal
StudioalbumNr. 4
Veröffentlicht4. Dez. 2020
HerkunftDeutschland / Raum Augsburg
Gründung1993
MembersThomas Sartor: Gesang und Gitarren
Armin Hassmann: Schlagzeug
Lukas Haidinger: Gesang und Bass

Verfasst im November 2020
von Roland Hesse

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