CD Review: Iotunn – Access All Worlds

Wer den melodischen Death Metal der bombastischen Art durchsetzt mit Hooklines, interessanten Riffs, aber auch mit leicht progressiven Einflüssen verwoben schätzt, sollte sich unbedingt den ersten Longplayer von Iotunn zu Ohren und Gemüt führen. In einer teils dunkel wirkenden musikalischen Atmosphäre haben die Hörer den Lyrics entsprechend die Möglichkeit, einige Raumfahrer zu begleiten, die neue Welten entdecken, in denen Menschen existieren können. Es geht um mögliche neue Formen des Lebens sowie über die Geschichte der Menschheit. Am Ende der Reise kommen die Protagonisten in das Weaver System, weit weg von der Alten Welt und entdecken dort vollkommene neue paradiesische Zustände.

So beginnt das Album mit Voyage Of The Garganey. Musikalisch geht es mit einer langsamen Gitarreneinspielung, verbunden mit Synthesizerklängen los. Dann setzten die Growls von Jón Aldará ein, die durch schnelle Beats und Gitarrenbegleitung befeuert werden. Im Anschluss unterstützen die melodischen, hellen Gitarren den einsetzenden Cleangesang. Eigentlich ist der Verfasser dieser Zeilen kein Freund von Bezugnahmen zu anderen Bands, jedoch drängt sich hier der Hinweis hinsichtlich melodischer Parallelen zu den Engländern von Countless Skies förmlich auf. Weiter geht es mit kräftigen Beats und dunklen Growls, bevor der gefällige Cleangesang mit viel Melodie das Soundbild ergänzt. Eine Gitarre bricht dann zu einem Solo aus. Nach einem weiteren Gitarrenlauf setzt die sehr melodische Cleanstimme wieder ein. Voranschreitende Beats und ein Wechsel zwischen Growls und Cleangesang führen den Song zu seinem Ende.
Textlich nimmt das Lied Bezug auf die Ausbreitung der Materie durch das Monochrom in eine grenzenlose Leere. Unzählige Äonen der Überlebensphilosophie bringen die Sünde zurück. Langsam geht der Flug durch die Leere der Welten.

Das folgende Stück „Accsess All Worlds“ ist der Titelsong des Albums. Die Reise geht weiter durch Materie und Antimaterie, weit weg von zu Hause. Im inneren des kosmischen Scheins existiert bei den Protagonisten ein Gefühl von Überwältigung. Sie wandern auf dem Pfad, der zum göttlichen Leben führt. Schneller und schneller geht es durch die unendliche Schwärze. Es stellt sich die Frage, ob uns hier ein Wunder oder eine Katastrophe erwartet?
Schlagzeug und Bass beginnen den Song. Der einsetzende Cleangesang wird melodisch, gefühlvoll durch die Gitarren im Hintergrund begleitet und geht dann in markante Growls über. Weiterhin gibt das Schlagzeug und die Gitarren das Tempo vor und leiten in einen Sprechgesang über. Die melodischen Gitarren halten sich im Hintergrund auf und erzeugen im Verlauf einen bemerkenswerten Klangteppich. Hinzu kommt ein gefühlvoller Cleangesang. Dunkle Growls und Clean Vocals wechseln sich nun ständig ab. Die Saiteninstrumente sind für eine schöne Hookline zuständig. Dann unterstützen energisch auftretend Growls die Melodie. Druckvolle Gitarren machen in Verbindung mit der Cleanstimme weiter. Nach einem Soloausbruch der Gitarren, die interessante Riffs beisteuern, geht der Song dann langsam zu Ende.

Laihem´s Golden Pits ist der nächste Track! Er beginnt mit einer Synthesizer Einspielung und einer massiven Gitarrenwand. Die einsetzenden Cleanvocals und die damit verbundene Soundstruktur erinnert kurzzeitig an Songs von Nevermore und ihren Sänger Warrel Dane (RIP) oder die Band Mercenary. (Sorry für den abermaligen Vergleich). Weiter wechseln Cleanvocals mit Growls innerhalb eines bombastischen Melodienschwalls. Im Verlauf zieht das Tempo des Stückes an und helle Gitarrentöne erzeugen die Hintergrundmelodie. Immer wieder drücken Growls in Verbindung mit den Saiteninstrumenten melodisch dazwischen.
Im Text geht die Reise weiter. Aus den Gruben von Laihem steigen die Dämpfe von Geiz und Lust auf und rufen Zustände des Massenwahns hervor. Dieser Planet ist lebendiges Chaos. Jede Zelle im Körper brennt und wird von unbekannter Essenz extrahiert. Plötzlich sind die Sterne verschwunden.

Nun ist Waves Below an der Reihe. Sonnenaufgang über Ruinen, Staub und Verfall. Das Licht kann die Schatten nicht vertreiben. Man ist auf der Suche nach Portalen, die in die unterirdischen Welten führen. Mit der Zeit finden die Protagonisten den Weg hinein. Sie gehen durch Korridore der Finsternis, ohne zu wissen, wann der Morgen kommt.
Dunkle Gitarrenriffs, schreiende energische Vocals, melodische Klangbilder, progressiv gestaltete Gitarrenriffs, gute Tempoverlagerungen, schöne getragene Melodien, harmonisch geprägte Growls sowie ein schöner Cleangesang prägen den interessanten Track und spiegeln musikalisch die Lyrics ausdrucksvoll wieder.

Song Nummer fünf trägt den Titel The Tower Of Cosmic Nihility. Erst die Gitarrenarbeit! Dann der Schlagzeug Einsatz und los geht es! Der harmonische Cleangesang erzählt vom Turm der kosmischen Nihilität. Wir können in seinem verlorenen Licht wandern und in die weite kalte Leere starren. Das Schlagzeug und die Gitarren führen den Song weiter. Cleanvocals und „fürchterlich schön“ klingende Growls passen zu den dunklen Tönen der Saiteninstrumente. Es folgen helle Gitarreneinspielungen. Das Schlagzeug und ein melodischer Cleangesang münden in eine progressive Gitarrenarbeit. Clean und Growl Vocals erzählen weiter von dem silbrigen Licht, dass sich dem schwachen Griff der Hoffnung entzieht, um durch den unendlichen, verwirrenden Sternennebel zurückzukehren. In diesem Sinne folgen melodische Clean Vocals und böse Growls, die in Verbindung mit der begleitenden Gitarrenfraktion das Ende des Songs herbeiführen.

Der nächste Track ist Weaver System! Hier findet die Reise der Protagonisten ihr Ende. Das Paradies ist gefunden. Keine Angst mehr vor der Nacht und frei alle Welten zu betreten, heißt es im Text. Was verloren war, wird wiedergefunden!
Die Lyrics werden musikalisch zunächst durch langsame, gezupfte, schöne Gitarrenklänge umgesetzt. Dann folgen passend zur Melodie langsam getragene Clean Vocals die wechselweise durch Growls ersetzt werden. Alles findet sehr melodisch statt. An dieser Stelle kommt einem vielleicht Insomnium in den Sinn (Sorry schon wieder ein Vergleich).
Bis zum Ende des Stückes geht der Wechsel zwischen den harmonischen Clean Vocals und den melodisch und dunkel wirkenden Growls weiter.

Das letzte Stück des Albums ist Safe Across The Endless Night. Es ist nach Auffassung des Verfassers dieser Zeilen ein würdiger Abschusssong. Knappe 14 Minuten laden zum aufmerksamen Zuhören ein! Das Lied führt durch verschiedene „musikalische Sphären“. Es findet ein ständiger Wechsel zwischen Elegie und Spannung statt. Progressive Riffs, ein hämmerndes Schlagzeug und eingängigen Hooks in Verbindung mit den dazu passenden gesanglichen Strukturen verleihen dem Song das „gewisse Etwas“! Immer wieder wird der Track von Melodienteppichen überzogen, die dann in tiefe, manchmal dunkel wirkende Growls münden. Natürlich darf das Solo der Gitarre nicht fehlen, aber auch das Zusammenspiel der Saiteninstrumente sollte man hier erwähnen!
Im Text heißt es: Der Himmel wurde geboren, um zu sterben! Mach dich bereit zum Flug aus der Dunkelheit! Es tritt die Frage nach dem Zweck unseres Lebens auf, wohl wissend um die kommende Ungewissheit! Es droht sich der Abgrund zu öffnen!
An dieser Stelle endet das Werk mit offenem Ausgang. Vielleicht findet sich im nächsten Album eine Fortsetzung!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Access All Worlds“ ein Album ist, dass eine breite metalische Hörerschaft erreichen sollte. Hervorzuheben ist sowohl die markante Stimme von Jón Aldará, der auch bei Barren Earth und Hamferd tätig ist, wie auch das hervorragende Zusammenspiel der Saiteninstrumente! Thematisch geht es ja wie schon gesagt um das Suchen nach neuen Welten, in denen man Lebensraum findet. Beim Hören des Tonträgers hat der Hörer die Möglichkeit, sich im Rahmen seiner Vorstellungen, so er möchte, auf diese musikalische Reise zu begeben. Man kann dann in dieser Erlebniswelt die authentischen Klangbilder von dunklen und aggressiven Growls über Chorale Einflüsse bis hin zu melodischen Klangteppichen vorfinden. Auch die Reihenfolge der Tracks auf dem Tonträger erscheinen dem Spannungsbogen folgend, als sehr gut gewählt.
Alles in allem handelt es sich bei Accsess The World von Iotunn um ein sehr ansprechendes Album, dass einfach auf den Plattenteller gehört!
Erhältlich ist der über das Label Metal Blade Records erschienene Tonträger als CD, Vinyl oder wenn es sein muss, auch als Download.

BandIotunn
AlbumAccess All Worlds
Titel1. Voyage Of The Garganey 7:25
2. Accsess All Worlds 11:36
3.Laihem´s Golden Pits 4:40
4. Waves Below 10:10
5. The Tower Of Cosmic Nihility 7:30
6. The Weaver System 6:33
7. Safe Across The Endless Night 13:47
LabelMetal Blade Records
GenreMelodic Death Metal / Dark Metal / Progressive Metal
StudioalbumNr. 1
Veröffentlicht26. Febr. 2021
HerkunftDänemark / Kopenhagen
Gründung2015
MembersJón Aldará: Gesang
Jesper Gräs: Gitarre
Jens Nicolai Gräs: Gitarre
Bjørn Wind Andersen: Schlagzeug
Eskil Rask: Bass

Verfasst im März 2021
von Roland Hesse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.