CD Review: Waiting For Connection – Fragile Constructs

Am 20. August 2021 veröffentlichten die Members von Waiting For Connection ihre erste EP, die den Titel Fragile Constructs trägt. Wie die Band selbst vermeldet, war es das Ziel, ihre Musik in eine eigene Interpretation des Metalcores einzubinden. Tatsächlich bildet der Metalcore Style der Gruppe vor allem stimmlich die musikalische Grundlage ab. Die im Soundbild zu findenden weiteren Einflüsse reichen jedoch vom Death Metal über den Metalcore bis hin zum Progressive Metal. Vor allem gesangstechnisch ist die Stimme des Sängers Alexander Steinam je nach Bezug zum textlichen Zusammenhang flexibel eingesetzt. Es werden diverse Growls, Screams aber auch Clean Vocals verwendet.
Die Lyrics der einzelnen Tracks des Extended Players sind meist kryptisch gehalten und in Metaphern dargestellt. Vor allem aber wird das Eigene ich vielleicht auch das Eigene selbst in Bezug zu philosophischen und soziologischen Themenkreisen gesetzt.

Der Eröffnungssong ist Committed To The Waves. Die Gitarren und das Schlagzeug leiten das Stück ein. Dann kommen Growls hinzu, die später in Clean Vocals münden. Diese werden durch die Gitarren leicht melodisch unterstützt. Im Anschluss folgen wieder aggressive, in der Stimmlage flexibel ausgestattete Growls, eingebettet in einen musikalisch progressiv gestalteten Hintergrund. Die dann einsetzende Clean Stimme geht in einen melodischen Part über, bevor die Gitarren sich wieder progressiv dazwischen schalten. Dynamische, dunkle Vocals münden in eine Tempoverlangsamung. Bevor der Song seinem Ende zugeht, folgen noch tiefe Growls mit einigen, durch die Gitarren erzeugten progressiven Einflüssen.
Entsprechend zur musikalischen Seite des Stückes handelt der Text von Wellenbewegungen des Lebens. Schlaflose Nächte, eine gefühlte Leere münden in eine Depression. Der Glaube an ein Schiff im dunklen Ozean, mit dem man den eigenen Dämonen entfliehen kann und die Hoffnung auf einen Sieg über den inneren Feind, sollte den Weg zu einem besseren Selbst öffnen.
Voraussetzung ist jedoch der Blick in den Spiegel nach dem Motto „erkenne Dich selbst“ und die daraus gewonnene Erkenntnis, seinen Stolz zu vergessen sowie Herz und Geist zu öffnen.

Der zweite Song trägt den Titel Overwrite. Schlagzeug und Gitarren gehen hier gleich auf Tempo.
Im Metalcorestyle marschieren die Growls voran. Es folgen immer wieder interessante Geschwindigkeitswechsel. Im Verlauf erzeugen die Saiteninstrumente Melodien und eine kurze Soloeinlage der Gitarre sorgt für Auflockerung. Das Schlagzeug begleitet die Vocals, die dann in eine melodische Passage übergehen. Progressiv und mit gutturaler Stimme geht es weiter und die Gitarren kommen mit hellen Klängen dazwischen. Der Ausklang des Songs erfolgt in ruhigen Tönen.
Die Lyrics behandeln das Thema „Wahrheit“ in Bezug zur Natur. Progression ist eine natürliche Ordnung. Nur der Wandel ist beständig! Projektion ändert die Richtung. Die Frage nach dem Tribut des Fortschritts stellt sich. Jeder Fortschritt ist auch ein Rückschritt. Wir denken darüber nach, einen denkenden Schöpfer zu schaffen. Das streben nach Unsterblichkeit materialisiert sich. Die Irreversibilität sollte sich nicht in eine Dystopie verwandeln!

Mit Edge Walker folgt Titel Nummer drei. Elektroklänge leiten den Song ein. Die Gitarren übernehmen und geben kurz einig melodische Töne ab, bevor qualvollen Vocals einsetzen.
Unter Tempowechseln folgen teils böse Growls und teils melodischer Clean Gesang. Dieses Soundbild wird durch ein kurzes Bassspiel unterbrochen. In der Folge kommen sowohl aggressive als auch quälende Growls zum Zuge, während die Gitarren immer mal markant dazwischen spielen.
Inhaltlich geht des in dem Song um eine Metapher im Sinne von Selbstvertrauen. Der Protagonist steht am Rande der Klippe. Vertraue auf Dich selbst und prüfe den nächsten Schritt, heißt es im Text. Sie wollen Dich fallen sehen, gebe ihnen keine Genugtuung. Du wirst am Ende des Tages bleiben. Mache deinen Geist frei, um einen Schritt weiter zu gehen. Schließe deine Augen und finde eine Antwort in der Stille. Brich aus!

Song Nummer vier ist The Fog Inside. Es geht hier musikalisch in vollem Tempo zur Sache. Growls setzten ein und wechseln plötzlich in einen sanften, melodischen Clean Gesang, der wiederum in eine Hookline mündet. Die Gitarren halten sich danach im Hintergrund auf und bilden zusammen mit den Clean Vocals weiter die Melodie ab. Böse wirkenden Growls wechseln in der Folge immer wieder mit melodischem Clean Gesang, der die Hookline abbildet.
Der Songtext handelt von einem inneren Nebel. Gemeint ist hier wohl die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit eines Individuums. Ein Tunnelblick und die Missachtung aller Schönheit! Die
Blindheit, einem geraden Weg zu folgen! Es heißt im Text weiter: „Finde dich selbst. Wir müssen den Pfad der bloßen Existenz verlassen, um einen Weg zu finden, lebendig zu sein“.
Zum Ende des Stückes ergibt sich die Einsicht des Protagonisten, seine Perspektive zu ändern und die Angst, Außenseiter zu sein abzulegen, respektive die innerliche Düsternis aufzulösen.

Der letzte Song der EP lautet Bottom Of The Lake. Der Beginn des Liedes erfolgt melodisch mittels Clean Stimme. Dann treiben tiefe Growls das Stück voran. Nach einem Tempowechsel erzählen langsame Clean Vocals von dem Grund des Sees. Der Inhalt ist hier sicherlich in verschiedene Richtungen interpretationsfähig. Eine Möglichkeit der Textauslegung wäre die Annahme, dass der Handelnde sich in den See begibt, um Erleichterung finden. Daraufhin beginnt er eine Suche unter der Oberfläche, um das führende Licht zu erreichen und die Projektionen des irrenden Geistes zu überwinden. Wenn er untergeht, muss er wieder aufsteigen und nach dem Sturm kommt die Sonne.
Der Mensch weiß nie, wann seine Zeit gekommen ist zu sinken!
Der Song geht in Form von schnellen Taktfolgen und mittels Growls weiter. Dann folgt eine langsame melodische Passage durch die Saiteninstrumente. Das Schlagzeug führt und die Growls übernehmen, während die Saiteninstrumente im Hintergrund bleiben. Langsame gezupfte Gitarren bringen das Stück zu seinem Ende.

Fazit:
Jeder einzelne Track der EP basiert auf dem Grundgerüst der Metalcores. Die Diversifikation,
die durch genrefremde Einflüsse erfolgt, gibt dem gesamten Album eine abwechslungsreiche Struktur. Stimmlich werden die Parts von Alexander Steinam in ansprechender Weise mittels Ausnutzung der Bandbreite von Growls und Screams durch den Äther geschickt. An den Cleangesang müssen sich manche Metal Ohren allerdings erst einmal herantasten, zumal die Stimmlage etwas außergewöhnlich erscheint. Dies tut der Sache jedoch keinen Abbruch. Sehr schön sind auch die melodischen Parts eingebaut und die Hooklines dringen beim Hörer angenehm in die Ohrmuschel ein. Instrumental beinhaltet das Werk interessante Gitarreneinspielungen und „gnadenlos ausgeführte“ Schlagzeug Beats!
Zusammengefasst handelt es sich bei Fragile Constructs um ein interessantes, hörenswertes Erstlingswerk. Auf weitere Taten von Waiting For Connection darf die Metalgemeinde gespannt sein!

BandWaiting For Connection
AlbumFragile Constructs
Titel1. Committed To The Waves
2. System Overwrite
3. Edge Walker
4. The Fog Inside
5. Bottom Of The Lake
LabelEigenproduktion
GenreMetalcore mit progressiven Einflüssen
StudioalbumEP Nr. 1
Veröffentlicht20. August 2021
HerkunftDeutschland / Karlsruhe
Gründung2017
MembersAlexander Steinam (Vocals)
Valentin Traunfelder (Gitarre)
Tamer Yagli (Gitarre)
Ingo Pfisterer (Bass)
Johannes Schmidt (Session Drummer)

Verfasst im September 2021
von Roland Hesse

 

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