Review: SCHATTENVALD – Alle Hernach

Schattenvald veröffentlichen am 3. April 2026 über das Label Solistitium Records ihr siebtes Studioalbum. Nachdem, das im Jahr 1998 als Ein-Mann-Projekt von Mastermind Nachtsturm gegründete Projekt durch Iskharian (2010) und Tyrann (2025) verstärkt wurde, besteht vielleicht künftig die Hoffnung, dass man die Schwarzmetaler öfter mal im Live Betrieb zu Gesicht bekommt.

Mit dem neuen Album Alle Hernach haben die Oberfranken ein Werk geschaffen, in dem eine mystische Figur des 19. Jahrhunderts, nämlich der Hellseher Mühlhiasl das Albumthema darstellt. Es wird von dem scheuen Einzelgänger aus dem Bayerischen Wald erzählt, der die meiste Zeit seines Lebens in Armut verbringt. Er sucht bereits in seiner Jugend Orte auf, mit denen man unerklärliche Kräfte verbindet. Seine Wissbegierde ging über die Kirchenlehre hinaus und bringt ihm deshalb den Argwohn der Geistlichkeit ein. Der Hiasl wird in eine Mühle hinein geboren, die er im Erwachsenenalter übernimmt. Nachdem kein guter Stern auf dieser Mühle liegt und er ein Darlehen an das Kloster nicht zurückzahlen kann, hat ihn der Klerus aus dem Gebäude entfernt. Die in seiner Wut ausgesprochene Prophezeiung hat sich zwölf Jahre später erfüllt. Im Jahre 1803 wurde das Kloster aufgelöst und es entstand daraus eine Einrichtung für Bedürftige.
Der Mühlhiasl trennt sich zwischenzeitlich von seiner Familie und verdingt sein Dasein durch die Reparatur alter Mühlwerke. Er findet deshalb stets ein Dach über dem Kopf und erzählt den Menschen, die ihn beherbergen seine Geschichten. Im Laufe der Zeit verfällt der Mühlhiasl in eine geistige Starre. Er träumt wie ein Bergsteiger von einer Gipfelbesteigung und sieht den gähnenden Abgrund zu seinen Füßen nicht mehr. Immer häufiger zieht es den Hiasl in die Abgeschiedenheit, dorthin wo sein Geist frei schweifen kann. In seiner Vorstellung bleibt ein allerletzter Knall und nur wenige Menschen bleiben zurück. In seinem Traum leben sie in Harmonie, Besonnenheit und Frömmigkeit. Die Überlieferung erzählt, dass den Sargträgern bei der Bestattung des Mühlhiasl der Sarg aus den Händen glitt, der Leichnam herausgerollt war und seine Hand zum Himmel zeigte.

Diese Geschichte wird im Rahmen von schwarzmetalischen Klängen in die sieben Tracks des Tonträgers inhaltlich eingebunden.

Der erste Song ist Dämmertage. Mit einem Donner beginnt das Stück. Danach geht das Schlagzeug und die Gitarren auf Geschwindigkeit. „Es werden hier keine Gefangenen gemacht!“ Dann setzen die Screams ein und erzählen,
wie der Hiasl auf einem Felsen sitzend, über das Donautal blickt und einen großen Krieg vorhersieht. Er prophezeit, dass die übernächste Generation elendiglich an dem Unglück leiden wird.
Musikalisch geht es mit hoher Geschwindigkeit weiter. Die Screams werden dabei aggressiv und die Saiteninstrumente entwickeln sich progressiv. Teilweise mischen sich kurze Growls ein. Im Verlauf erzeugen die Gitarren helle Tonfolgen. „Die Schlagzeugfelle sollten bei diesem Spieltempo „gefühlt“, gefährdet sein und die Gitarrensaiten sind dem Anschein nach, kurz vor dem Glühen!“

Auf alten Pfaden ist der zweite Track des Albums. Das Schlagzeug geht hier gleich „auf Tempo“ und die Gitarren setzen mit teils hellen Akkorden und schneller Spielweise ein. Die Screams erzählen
die Geschichte vom Hiasl weiter. Im Text heißt es: „Der Hiasl bestellt sei´ Weizenfeld, die Frucht des Felds dem Herrn missfällt. Für die Kirch er sich so plagt, wofür? Für kaum Ertrag!
Er träumt von einer ruhigen Zeit, ohne Arbeit ohne Leid. Er geht den alten Pfaden lang, hoch am Berg, ganz ohne Bang“.
Die Screams werden später durch abstrakte Beats des Schlagzeugs unterstützt und die Gitarren bilden einen melodischen Einfluss aus. Es entsteht ein folkloristisch angedeutetes Soundbild. Nach einem Rhythmuswechsel treibt das Schlagzeug weiter an und die Saiteninstrumente bleiben bei schneller Spielweise melodisch. Die Screams berichten, getrieben durch die Instrumente taktvoll weiter. Nach einer kurzen Geschwindigkeitsanpassung führen die Drums mit hoher Schlagzahl! Zum Ende erzählt eine Sprechstimme vom
Fuhrmo, der mit da Goaßl auf`d Ern haoud und sogt:„Dou hout a mal d`Straubinge Stodt g´standen.“

Weiter geht es mit dem Track: Die alte Mühl´ im wilden Wald. Das Schlagzeug und die Gitarren beginnen im Vollspeed Modus. Schauderlich schöne Screams kommen hinzu. Instrumental befindet sich das Soundbild im Vollspeed Modus ohne Pause! Die Gitarren begleiten stringent und steuern interessante Riffs bei. Nach einer Geschwindigkeitsanpassung geht es im Old School Black Metal Modus weiter. Die Saiteninstrumente entwickeln sich atmosphärisch und lockern dadurch „das Geschehen“ auf. Nach einer kurzen Unterbrechung werden aggressiv wirkende Screams in den Tempomodus eingefügt. Die Saiteninstrumente erzeugen jetzt melodische Einflüsse. Die Drums bleiben bei ihrer hohen Geschwindigkeit. Die Voices wirken manchmal böse und manchmal schauderhaft. Das Soundbild geht abermals in den Black Metal Modus, während die Gitarren dabei eine melodische Struktur im Hintergrund ausbilden.
In den Lyrics geht es um die Mühle, auf der ein Fluch lastet. Die Bauern bringen ihr Korn deshalb nicht mehr zum Hiasl.
Im Text heißt es: „Am End wird jeder alles wissen, wird alles vergessen, wenn ah d´Bauersleit nur noch Kuchen fressen.
Der Song endet wieder mit einem Sprechtext: „I mou etz gej, ower wird´s ihr selber as eierm Kloster renner mejn! Und as de Fenster vo Windberg wern Weiber und Kiener asser schaua!“

Das nächste Stück ist: Der Nachtwanderer. Es beginnt mit einem Glockenschlag und es folgt ein Sprechtext. Weiter wird beschrieben wie die Kirche ihr Recht am Kloster verliert und „den Zehnt“ aufgeben muss.
Es heißt: „Die Religion wird so klein, man kriegts in an Hut hinein. Man kanns mit der Geißl abhaun, die Menschheit wird zu Abschaum.
Das Schlagzeug geht in den Old School Black Metal Modus und die Sprechstimme erzählt dazu. Die Gitarren unterstützen und die Screams setzten ein. Nach einer Tempoanpassung in das Mid-Tempo bilden die Saiteninstrumente eine melodische Komponente aus. Dann wird das Ganze etwas dunkler und die Vocals erzeugen einen hässlichen Ausdruck. Später gehen die Instrumente „auf Vollspeed!“ Im Verlauf schieben sich die Saiteninstrumente in den Vordergrund und die Voices erzählen die Geschichte weiter. Alles mündet danach wieder in das Old School Black Metal Geschehen, wobei die Gitarren wieder atmosphärische Strukturen im Hintergrund abbilden. Zum Ende hin, wandert das Soundbild in ruhige Sphären. Es finden melodische Gitarrenklänge statt. Für den Abschluss ist wieder die Sprechstimme zuständig.

Es folgt nun Im Nachtschein. Verlassen hab ich Weib und Kind, im Staub des Berges verweht der Wind. Das Rad steht stumm, d´Mühl zugrund, sie dreht sich nur im Totengrund. Und wie ich seh, seh ich das End, der Himmel bricht, der Boden brennt. Die Mühle ist also weg, während die Zukunft des Hiasl durch Prädestination geprägt ist.
Das Schlagzeug und die Gitarren beginnen den Song im Mid-Tempo. Die Screams kommen betont dominant in das Spiel. Dann erfolgt eine Temposteigerung im Rahmen von hell ausgespielten Riffs der Gitarren. Das Schlagzeug geht im Anschluss in den Black Metal Modus und die Saiteninstrumente schieben sich riffbetont in den Vordergrund. Die Drums „klopfen“ unermüdlich dazu. Später setzen die Vocals wieder ein und die Stimmung wird unter Dominanz der Saiteninstrumente danach temporeich und atmosphärisch. Zum Ende hin, kommt wieder die Sprechstimme zum Einsatz und erzählt:
„Wenn der Wald ausschaut, wie dem Bettelmann sei´Rock und so viel´Löcher hat, dann kommt die Zeit!

Der vorletzte Track des Tonträgers ist: Wenn dereinst der Berg rief. Das Schlagzeug beginnt mit hoher Schlagfrequenz und unter melodischem Gitarrenspiel. Die Sprechstimme erzählt im Anschluss ruhig und betont. Es folgt ein dominanter, atmosphärischer Gitarreneinfluss unter Schlagzeugbegleitung im Mid-Tempo. Später kommt eine Flüsterstimme hinzu. Dann geht das Soundbild in den Vollspeedmodus. Die Voices wirken dominant und böse. Das Schlagzeug klopft bis die Felle „gefühlt“ durch sind! Plötzlich kommt ein Tempowechsel in ruhige Gefilde zu Stande. Es finden Gitarrenanschläge statt und es folgt eine Sprecheinlage. Die Saiteninstrumente führen den Song ruhig und mit dunklem Ausdruck zu Ende.
In den Lyrics ist der Hiasl gedanklich schon auf dem Gipfel des Berges.
Höher, höher immer höher, steiler, steiler immer steiler, doch stures Fleisch hält nur der Tod noch auf. Kaum gewiss scheint das Ziel, immer schwerer zu tragen der eigene Leib!

Der finale Track ist Winterland (Alle Hernach). Die Gitarre bildet helle, melodische Einflüsse im Mid-Tempo ab. Das Schlagzeug kommt temporeich an den Start. Danach spielt die Gitarre melodische Komponenten, die dem Song eine ansprechende Atmosphäre verleihen. Später kommen Screams hinzu und es folgt ein Sprechtext. Sehr ruhig und melodisch entwickeln sich die Saiteninstrumente. Das Schlagzeug begleitet mit langsamen Beats. Plötzlich, wie aus dem Nichts, gehen die Drums in den Tempomodus. Das harmonische Soundbild bleibt jedoch erhalten und es ergeben sich unter Geschwindigkeitsanpassungen und ruhigen, dominanten Screams immer wieder melodische Strukturen.
Ein sehr ansprechender Ausklang!
Abschließende Lyrics erzählen: „Ein letzter Krieg bricht gschwind herein, das Bänkabräumen wird es dann sein. Die Leit wern krank und sterm amend, solang bis gar ka Licht mehr brennt. Der Winter wird wie der Sommer sein und ah im Sommer wird es schnein. Wer übrig bleibt, lebt mit gemach, im lehm dann alle hernach.“

Fazit:
Die Basis des Schattenvald Albums Alle Hernach besteht aus dem traditionellen Old School Black Metal. Dieser wird rau, kompromisslos und in hoher Spielgeschwindigkeit dargebracht. Immer wieder kommen dem schwarzmetalischen Soundbild die angepassten Tempowechsel und die ansprechenden Gitarrenriffs zugute, sodass atmosphärische und vielfach auch melodische Komponenten entstehen. Exemplarisch steht hierfür beispielsweise der finale Song des Albums „Winterland (Alle Hernach)“.
Hervorzuheben sind auch die in dem Werk verarbeiteten Lyrics. Der mystische Bayerische Wald und einer seiner vielen Sagengestalten, in diesem Fall der Mühlhiasl werden in das schwarzmetalische Gefüge authentisch implementiert. Verstärkt wird die Ausdrucksweise noch durch die Texte, die zu großen Teilen in der Bayerischen Sprache, respektive in der Sprache der „Waildler“ abgehandelt werden, was dem Album das „Gewisse etwas“ verleiht.
Insgesamt ist der bemerkenswerte Tonträger, nicht nur etwas für die Traditionalisten im Schwarzmetal, sondern auch für alle anderen Metalheads die neben dem Old School Black Metal auch atmosphärische Klangbilder schätzen. Erhältlich ist das Werk als CD, Vinylausgabe und wenn es sein muss auch zum Herunterladen.

BandSCHATTENVALD
AlbumAlle Hernach
Titel1. Dämmertage 4:28
2. Auf alten Pfaden 4:43
3. Die alte Mühl´im wilden Wald 7:16
4. Der Nachtwanderer 7:52
5. Im Nachtenschein 6:38
6. Wenn dereinst der Berg rief 8:43
7. Winterland / Alle Hernach 6:54
LabelSolistitium Records
GenreAtmosphärischer Black Metal
StudioalbumNr. 7
Veröffentlicht03. April 2026
HerkunftDeutschland: Bayern / Oberfranken
Gründung1998
MembersIskharian: Gesang
Nachtsturm: Alle Instrumente
Tyrann: Bass

Verfasst im März 2026
von Roland Hesse

 

 

 

 

 

 

 

 

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