Baden In Blut Festival 2016

Das Baden in Blut Festival 2016, wurde von der altbewährten Location in Lörrach (Grüttpark), nun erstmalig in den Dreiländergarten nach Weil am Rhein verlegt.

Die Stadt Lörrach, wollte die Metalschar an dieser Stelle offenbar nicht mehr haben.
Deshalb entschloss sich der Veranstalter, den Austragungsort zu wechseln und das war augenscheinlich eine sehr gute Entscheidung!

Ausgerichtet wurde das Event, wie jedes Jahr, von dem Verein „Metal Maniacs Markgräfler Land e.V.“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Festival ohne irgendwelche kommerziellen Interessen durchzuführen.
Die Veranstaltung war im Wesentlichen durch viele freiwillige Helfer geprägt, die für den Auf und Abbau, die Verpflegung und Versorgung der Gäste, Ordnungs- und Sanitätsdienst, Bühnentechnik, Organisation, Bandbetreuung und alles was sonst noch zu einem Festival gehörte, gesorgt haben. Nicht zu vergessen, sind die Arbeiten die im Vorfeld und im Hintergrund notwendig waren!

Das Festivalgelände liegt in einem idyllischen Park, umgeben von Bäumen und einigen

Teichen, die der eine oder andere Besucher kurz entschlossen für ein kühles Bad (auch ohne Blut) nutzte.
Ein großer Parkplatz liegt unmittelbar neben dem Gelände. Auf diesem Gelände, einer Wiese, entstand ein schöner gemütlicher Biergarten, diverse Verpflegungs- und Verkaufsstände für diverse Tonträger und Metal Utensilien, sowie der Merch und Autogrammbereich.
Angrenzend wurde der Bühnenbereich geschaffen. Also sehr kurze Wege!
Die Stage war relativ klein, verfügte jedoch über einen ansprechenden akustischen Output.
Wie oftmals auf Konzerten, hängt die Tonqualität natürlich auch vom Standort des Betrachters,
der Anzahl der Leute die vor der Bühne stehen etc. ab.
Alles war hier sehr gut organisiert. So bezahlte man an den Verpflegungsständen beispielsweise nicht mit Bargeld, sondern man erwarb eine Karte im Gegenwert von Euro 10,– oder 20,–, die in 0,50 Euro Abschnitte unterteilt war. Beim Kauf wurde der Gegenwert auf der Karte abgestrichen. Den nicht verkonsumierten Betrag konnte sich der Karteninhaber jederzeit wieder zurückbezahlen lassen.
Sanitäreinrichtungen waren ausreichend vorhanden. Obwohl es sich um ein Eintagesfestival handelte, wurden zur Einlassberechtigung Stoffbändchen ausgegeben.
Schade nur, dass das Zelten in unmittelbarer Umgebung nicht erlaubt wurde.

Für das „leibliche Wohl“ war auch ausreichend gesorgt. Es gab gut gekühltes Bier!!!!!! An einem Grill- oder Crêpe Stand konnte man etwas gegen seinen Hunger tun.
Auch an die Vegetarier hatte man gedacht. Neben dem Bier, gab es auch fleischloses. Besonders zu erwähnen, waren die günstigen Preise für „Speis“ und „Trank“.

Jedes Festival hat ja bekanntermaßen sein eigenes Flair. So auch das „Baden in Blut“. Es handelt sich hier um eine kleine sehr familiäre Veranstaltung, die jedoch inzwischen bis über die Region hinaus bekannt ist. Entscheidend mit dazu beigetragen, hat nach Meinung des Verfassers, die sehr differenzierte und gute Bandauswahl. Es treten meist bekannte (beliebte) Gruppen aus vielen verschiedenen Metalgenres auf.

In diesem Jahr wurden im Vorverkauf ca. 1200 Tickets abgesetzt. Hinzu kamen noch ca. 200 Kurzentschlossene, die den Weg auf das Gelände fanden. Viele Besucher reisten aus der benachbarten Schweiz an.

Pünktlich um 12 Uhr, trat dann die erste Band auf die Bühne. Es war Inner Sanctum,
die hier ein „Heimspiel“ hatten.
Die 5 Jungs aus Freiburg, drückten von Beginn an einen gut abgestimmten „fetten“ Gitarrensound von der Bühne. Die Band verband ihren melodischen Death Metal Stil, geschickt mit Power und Pagan Elementen. Es ergab sich dadurch ein gefälliges Klangbild.
Die zahlreich erschienenen Fans, wie auch die Musiker selbst, hatten sichtlich Spaß an dem Gig. Nach Ende des Auftritts, wurde lautstark eine Zugabe gefordert, die natürlich wegen der Einhaltung der knapp kalkulierten Umbaupausen von keiner Band gegeben werden konnte.

Um 13 Uhr folgte dann der Auftritt von Nervosa. Die drei Mädels aus Brasilien überraschten das Publikum mit einem „ordentlichen“ Old School Thrash der 80er Jahre.
Die Sängerin „Fernanda Lira,“ die nebenbei ihren Bass bediente, brachte die Metalheads vor der Bühne zur Begeisterung. Nicht umsonst wurde die erst in 2010 gegründete Band, bereits zu einigen namhaften Events eingeladen.

Schlagzeug, Bass und Gitarre unterstützten mit ihren treibenden Rhythmen den markanten, wuchtigen Scream/Growl Gesang der Frontfrau. Den Damen machte der Gig sichtlich Spaß. Sie feuerten eine „Salve“ nach der anderen in Richtung der schwarzen Meute.
Wer möchte, kann sich auch mal die sozialkritischen Texte der Songs, insbesondere die aus dem Album Agony anschauen.

Wenn die Protagonisten der Combo in diesem Tempo weitermachen, dürften sie bei diversen Festivals in den nächsten Jahren im Billing ziemlich weit vorne zu finden sein!

Die Uhr zeigte kurz nach 14 Uhr. Es ging weiter mit Istapp. Ein schlechter Zeitpunkt für eine Band, die die Sonne verachtet und dem absoluten Nullpunkt entgegenstrebt!
Aber die vier Schweden ließen sich davon nicht beeindrucken. Corpsepaint und Ausdruck der Melodic Black Metaler, vermittelten trotz sommerlichen Temperaturen eine frostige Atmosphäre. Hinzu kamen die genialen Kompositionen die eine Mischung zwischen dem alten schwedischen Black Metal und neuen progressiven melodischen Black Elementen darstellen.

Die Gitarren und der Bass waren perfekt aufeinander abgestimmt. Die Screams des Frontmanns runden mal atonal, mal melodisch, den Sound der mehrstimmig aufeinandertreffenden Leadgitarren ab. Der Bass blieb angenehm im Hintergrund. Je nach dramaturgischer Entwicklung der Songs, mischte sich das Schlagzeug auch mal mit sehr hoher Schlagfrequenz, in das musikalische Geschehen ein.
Dann die Songs Skoll und Vinterriket , zwei Soundbretter, die den klasse Gig abrunden!
Leider viel zu kurz!

Jetzt kamen die US“ Deather „ von Misery Index an den Start! Die 4 Bandmembers legten einen brachialen Klangteppich über die beschauliche Gegend. Der Sänger drückte seine Vocals mit voller Wucht, von der Bühne. Die 2 Gitarren waren sehr gut aufeinander abgestimmt und der Schlagzeuger trieb die Jungs unermüdlich an.

Auffällig auch der Bassist, der seinen Gitarrenhals immer fest im Würgegriff hatte.

Der Aufforderung an das Publikum ein kleines „Tänzchen“ in Form eines Circle Pits durchzuführen kam keiner nach.
Diejenigen, die noch in der Eiswelt von Istapp schwebten, dürften durch den Schalldruck von Misery Index wieder in der Sommersonne angekommen sein!

Nun war Manegarm an der Reihe!
Die Pagan/Viking Band, die in ihrer Bandgeschichte immer wieder Stilwechsel vollzogen hat!
Mal folklorelastig, mal instrumental, dann wieder mehr dem Black Metal mit schnellen Beats zugewandt, aber auch mit Powerelementen durchsetzt, ohne jedoch die eigenen Wurzeln zu verlassen!
Im Rahmen ihres Festivalauftritts verzichteten die vier Schweden auf ihre „Folklore Instrumente“ wie Violine oder Flöte. Sie erschienen mit den klassischen „Metal Werkzeugen“ Schlagzeug, Bass und Gitarren auf der Bühne.
Der geneigte Hörer ahnte deshalb schon, das bei diesem Slot die folkloristische Seite der Band etwas in den Hintergrund rücken sollte.
So kam es dann auch. Ein klasse Songauswahl!
Die Jungs von Manegarm hatten sichtlich Spaß an dem Gig. Lead und Rhythmusgitarre verstanden sich blind. Die melodischen Passagen nahmen das Publikum immer wieder mit!
Eine super Vorstellung! „Odin Owns Ye All“!

The Ocean war die nächste Band im Billing.
Die 5 Jungs legten gleich mächtig los. Zu Beginn des Gigs, versuchte sich der Frontman gleich einmal in Stagediving!
Die Stilmischung aus progressiven und klassischen Elementen, wird hier in eine atmosphärische Hülle verpackt. Zweifelsohne war dieses Soundbild vielleicht nicht jedermann Geschmack, aber es zeigte eine menge Genialität auf. Musik zum Verstehen!
Die Band verstand es, durch den agilen, manchmal schreienden, auch teils gutturalem Gesang ihres Frontmanns in Verbindung mit den progressiven Elementen, die durch die Gitarristen eingebracht wurden, sowie den schnellen Schlagzeug Beats ihres Drummers, ein sehr harmonisches Klangbild herzustellen.
Teilweise enthielten die Songs komplizierte Passagen, die nicht ganz einfach zu spielen waren. Aus Sicht des Verfassers ein klasse Slot!

Nun kam für viele Power Metaler das Festival Highlight! Rage betraten die Bühne und
spielten gleich einmal einen Klassiker nach dem anderen.
Zwischendurch stellte Frontman und Sänger -Peavy Wagner- seinen neuen Drummer -Vassilios Maniatopoulos- und seinen neuen Gitarristen -Marcos Rodriguez- vor. Beide sind seit 2015 dabei. Besonders mit Marcos Rodriguez hat Rage einen hervorragenden Gitarristen mit an „Bord genommen“.

Peavy Wagner, „alias Mr. Rage“, spielte, so hatte man den Eindruck, seinen Bass sowieso wie im Schlaf.
Bei dem Song „Until I Die“, konnte man die Spielfreude der beiden sehr gut beobachten und vor allen Dingen hören!

Leider traten im Verlauf ein paar technische Probleme auf, die der Sache allerdings keinen Abbruch tun sollten.
Neben den alten Klassikern, durften aber auch die neue Stücke nicht fehlen. (The Devil Strikes Again – My Way).

Man hatte den Eindruck, dass die Setlist ganz nach dem Geschmack der vor der Bühne auch nach dem Gig auf eine Zugabe hoffenden Rage Fans gestaltet wurde.

Leider hatte sich inzwischen der Zeitplan um ca. 30 Minuten nach hinten verschoben, sodass die beiden nachfolgenden Bands in ihrer Spielzeit gekürzt wurden. Um Punkt 24 Uhr musste Schluss sein.
Die Sonne ging und Tiamat kam. Auf diese Band hatten sich viele „Metal Jünger“ schon gefreut! Angeführt von ihrem charismatischen Mastermind, zelebrierten die Gothic Legenden
ihr „dunkles“ Repertoire unter dem badischen Nachthimmel.
Die Band spielte ihre Klassiker. Wer gehofft hatte, dass vielleicht doch mehr Stücke aus der frühen Black/Death Ära auf der Setlist standen, wurde enttäuscht.
Die melodisch abgerundeten Gothic Balladen wurden von der Band erwartungsgemäß in souveräner Weise dargebracht. „Eine kleine Nachtmusik“
Nur die Stimme des Frontmans Johan Edlund kam diesmal nicht so gut zur Geltung. Auch die Backround Vocals klangen etwas verzerrt.
Gitarren und Keyboard dagegen spielten sich etwas in den Vordergrund.
Die Erwartungshaltung war bei diesem Gig hoch angesetzt, wurde jedoch nach Auffassung des Verfassers nicht ganz erfüllt !

So und jetzt zum Abschluss der Headliner! ENSLAVED !!!
Zu Beginn waren noch ein paar technische Probleme auszuräumen. Aber dann ging es
los, aber wie! Die fünf Jungs von Enslaved, die man genremäßig meistens etwas schwer einordnen kann, bewiesen, dass sie allesamt exzellente Musiker sind. Die Gitarristen waren eine Augenweide und der Bass passte sich nicht wie bei anderen Bands wohlwollend dem Rhythmus an, sondern man hatte den Eindruck, dass er mit der Leadgitarre mitspielte, manchmal sogar hervortrat. Der Keyboader blieb im Hintergrund. Nach Meinung des Verfassers könnte er sein Keyboard auch in eine Gitarre tauschen. (Sorry Enslaved !!!)
Enslaved brachte an diesem Tag ihren aggressiven Black/Prog Stil zum Vorschein, der wohl unnachahmlich erscheint.
Ein würdiger Headliner, ein klasse Gig, leider etwas zu kurz, da wie schon erwähnt um 24 Uhr Schluss sein musste.

Fazit:
Es war ein wunderbares Festival, phantastische Bands, nette Menschen, gutes Wetter, gute Laune, wo man hingesehen hat und nicht zuletzt standen auch ein paar gut gekühlte Bierchen zur Verfügung!
Abschließend darf noch erwähnt werden, dass auch der Veranstalter sehr zufrieden (zum ersten mal ja in der neuen Location) war und das es mit ziemlicher Sicherheit im nächsten Jahr weitergehen wird!

Verfasst im August 2016 von Roland Hesse. Alle Fotos von Roland Hesse

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