CD Review: Nephylim – Severance of Serenity

Nephylim, eine Melodic Death Metal Band aus den Niederlanden, veröffentlichte am 18. Januar 2020 ihr Debütalbum. Die fünfköpfige Truppe, die seit 2015 existiert, brachte im Gründungsjahr eine EP namens Torn „an den Start“. Gleich danach nahm sich die Combo für zwei Jahre eine Auszeit, bevor sie sich neu formierte. Nach diversen Umbesetzungen und persönlichen Schicksalsschlägen der Bandmitglieder dauerte es jedoch noch eine ganze Weile bis nun der erste Longplayer, der den Titel „Severance Of Serenity trägt, dem Publikum präsentiert wurde.


Man kann an dieser Stelle bereits jetzt verraten, dass es sich hier nicht um die Produktion einer Newcomer Truppe handelt, sondern man merkt dem Tonträger deutlich an, dass sämtliche Musiker bereits einschlägige Erfahrungen in anderen Bands gesammelt haben.
Besonders zu erwähnen ist die Textgestaltung des Albums, die sich von den oftmals üblichen Themenkreisen des Genres abhebt. Die Lyrics sind nach ihrer kryptischen, dunklen und manchmal auch depressiv wirkenden Aussagekraft eher bei einer Black, Dark oder Gothic Metal Band zu vermuten. Umso überraschender erscheint die Verarbeitung des Inhalts im Rahmen des Soundgefüges einer Melodic Death Metal Truppe!

In diesem Sinne geht es mit Reminiscence, dem Intro des Albums los. Schöne gezupfte Gitarrenklänge, die mit einem Meeresrauschen im Hintergrund unterlegt sind und im weiteren Verlauf durch schöne melodische Klänge unter Schlagzeug Begleitung ergänzt werden, führen nach gut 2 Minuten zu dem zweiten Titel des Albums.

Forsaken startet mit schnellen Schlagzeug Beats bei entsprechender Gitarrenunterstützung, bevor die aggressiven Growls des Sängers hinzukommen, die von dem Universum erzählen, dass die Erschaffung von Leben und Tod, bei entsprechendem Schicksalsverlauf definiert.
Im Anschluss findet ein Rhythmuswechsel statt. Die Vocals werden langsamer vorgetragen und das Soundbild wird unter markantem Schlagzeug Einfluss melodischer. Textlich sind nun verblassende Emotionen und Erinnerungen in Bezug zur Abwesenheit von Licht und Zeit gesetzt und die Begriffe Verrat und Unehrlichkeit werden darin aufgearbeitet.
Der Sound gewinnt an dieser Stelle wieder an Tempo und die Growls nehmen an Aggressivität zu.
Dazu hört man melodische Gitarren im Hintergrund, die zum Ausklang des Songs in eine langsame gezupfte Spielweise übergehen.

Vanquish The Sepsis ist der nächste Track des Albums! Ein Auge im Dunklen und ein anderes im Licht heißt es im Text. Vielleicht eine Metapher zu Leben und Tod? Die Sepsis fließt dem Protagonisten durch die Adern und der Sturm nimmt Gewalt über die Sonne ein. Diese geht mit ihrem blendenden Licht unter. Der letzte Sonnenuntergang erreicht meine Netzhaut heißt es weiter. Besiege die Sepsis, verlautet es im Schlusssatz zu diesem Stück. Vielleicht spiegelt der Inhalt des Liedes in kryptischer Weise den Untergang des Universums wieder?
Musikalisch umgesetzt wird das Geschehen in Form von mächtigen Growls, die die Richtung in dem Stück vorgeben. Es erfolgt eine melodische Gitarrenarbeit im Hintergrund und das Schlagzeug geht auf Tempo! Nachdem sich der Ausdruck von Wut in den Vocals seinen gefühlten Höhepunkt erreicht hat, geht der Song, wenn auch nur kurzzeitig in langsame Gefilde über, bevor er dann wieder an Tempo gewinnt, jedoch stets unter dem Einfluss von melodischen Gitarrenriffs im Hintergrund! Das Stück entwickelt zeitweise eine gewissermaßen brutale Wirkung im Soundbild, während diese immer wieder durch melodische Einflüsse besänftigt wird.

Weiter geht es mit Aftermath. Hier beginnen die Gitarren im Mid Tempo und gehen in der Folge zusammen mit dem Schlagzeug in einen schnelleren Rhythmus über. Dem Takt nach werden die Growls angepasst und bewegen sich weiter in tiefe „höllenartige Gefilde“! Immer wieder klopft das Schlagzeug mächtig dazwischen und der Bass hält den Song im Einflussbereich von Kerberos. Später ziehen wunderbare melodische „Gitarrenschwaden“ im Hintergrund auf, die dem Song bei dem es inhaltlich um eine vom Körper gelöste Stimme geht, die eine Geschichte im Rahmen einer beginnenden Amnesie erzählt. Der Liedtext verbreitet eine tiefe depressive Stimmung.
Wie eingangs erwähnt, wird der Inhalt des Songs nicht im theatralisch langsam getragenen, melodischen Stil umgesetzt, sondern hier eben in ein Genre bezogenes aggressives, jedoch immer wieder mit Melodie ergänztes Soundbild eingefügt! Interessant und mal etwas anderes!

Der nächste Titel ist Fractured Existence. Hier geht es um den molekularen Zerfall, die Ausrottung des Lebens, um gebrochenes Dasein und die Mutation unseres Fleisches zu Asche. Der Protagonist ist hier der Gefallene und er trauert um seine vergangenen Erinnerungen.
Der Song beginnt melodisch schwungvoll unter leichten Einflüssen des Power Metal Stils. Damit ist es jedoch gleich wieder vorbei und das Schlagzeug beginnt mit einer hohen Schlagzahl, unterstützt von den Gitarren und dem Bass, die die Geschwindigkeit übernehmen. Auch hier wirkt der Text diametral zum Soundbild. Im Verlauf des Liedes wird ein Tempowechsel in langsame Bereiche vollzogen und die Gitarren erzeugen einige schöne gezupfte Klänge, bevor die E-Gitarren wieder volumig einsetzen und der Sänger seine Vocals auf den „Tonträger presst!“
In der Folge setzt die Gitarre zu einem Solo an, das dem Song eine „besondere Note“ verleiht.
Zum Ende des Stückes kommen noch mal die Saiteninstrumente, die zusammen mit den „klagenden“ Growls des Sängers in ihrer Ausdrucksweise entsprechend den Lyrics sehr theatralisch erscheinen, zur Geltung.

Der nächste Titel ist Reassurance. Das circa 2 Minuten lange, instrumentale Stück in dem Anfangs Windgeräusche im Hintergrund und dann langsame, melodische Gitarren in Verbindung mit Violinenklängen zu hören sind, vermittelt dem Hörer eine angenehme, melancholische Gefühlsstimmung.

In dem nächsten Song mit dem Titel The Bitter Inheritance, gehen die Gitarren wieder auf Tempo. Das Schlagzeug gibt einen schwungvollen Takt vor und der Sänger fügt seine tiefen, aggressiven Growls hinzu. Sie erzählen die Geschichte, die man in etwa mit der des Vogels Phönix aus der griechischen Mythologie vergleichen könnte, der am Ende seines Daseins verbrennt und aus der eigenen Asche wieder zu neuem Leben aufersteht.
Im weiteren Verlauf vollzieht sich ein ständiger Tempowechsel. Die Gitarren sorgen jedoch im Hintergrund stets für den angenehmen, melodischen Part in diesem Stück, das mit einigen ruhigen Tönen beendet wird.

Jetzt kommt Dust Veiled Sky an die Reihe! Die Gitarren spielen das Lied mit viel Melodie ein.
Depressiv wirkende Vocals führen den Song weiter und erzählen von Ausbrüchen feuriger Asche und Staubwolken, die Natur und Leben vernichten. Dann wird die Taktfolge des Songs erhöht und das Schlagzeug bekommt eine Dominanz. Der Gesang und die Gitarren vermitteln durch schöne Riffs jetzt eine positive Stimmung, die sich textlich durch die Hoffnung des Entstehens neuen Lebens in seiner reinsten Form ausdrückt.

Eye Of The Storm heißt der folgende Song. Das Sonnenlicht verdunkelt sich und die Winde des Todes durchdringen die Finsternis. Nach einer traurigen, trostlosen Zeit leuchten dann die Lichter des Lebens wieder und bereiten einen neuen Anfang vor.
Musikalisch wird der Inhalt des Stückes zunächst durch aggressive tiefe Growls in Verbindung mit den tief gestimmten Gitarren dargestellt. Dann erfolgt ein Wechsel in ruhige, melodische Gefilde, bevor das Schlagzeug, der Bass und die Gitarren wieder auf Tempo gehen. Die Vocals wirken dunkel!
Neben schönen melodischen Gitarren Riffs sind jetzt auch kurzzeitig Doomelemente in das Soundgefüge eingebaut, die dann durch taktvolle Growls und druckvolle Gitarren, die sich zeitweise auch in den Vordergrund spielen, abgelöst werden.

Mit dem letzten Track Remembrance erfolgt der krönende Abschluss dieses Albums. Zunächst findet eine schöne ruhige Einleitung durch die Gitarre statt. Dann kommen brutal wirkende, dunkle Vocals an die Reihe, die später in ein melodisches Soundbild münden. Der Song ist nicht nur durch gute Tempowechsel geprägt, sondern beinhaltet auch sehr eingängige, schöne Melodien, die vor allem durch die „Saiteninstrumente“ erzeugt werden. Eine Gitarre darf hier auch zu einem Solo ausbrechen. Hierbei hat Andy Gillion von Mors Principium Est eine Gastrolle übernommen.
Ruhig, melodisch sowie in Begleitung von eingespielten Windgeräuschen endet der Track.
Die Lyrics wirken traurig und auch melancholisch. Es geht um die Erinnerung an die Zerstörung des Lebens und der Natur durch das Selbstverschulden der Menschen.
Ein super Song!

Fazit:
Es handelt sich bei „Severance Of Serenity“ um ein sehr gut produziertes Album. Sämtliche Instrumente sowie die Vocals kommen sowohl einzeln, als auch in der Gesamtheit sehr gut zum Ausdruck. Wie eingangs erwähnt, hat die Band die Songtexte in ihrer Aussagekraft interessanterweise in die musikalische Klangstruktur des Melodic Death Metal eingepasst, obwohl sie von ihrer Thematik eher meist melancholisch, depressiv erscheinen. Die Schwermut wird entsprechend aggressiv dargestellt, während der hoffnungsvolle Teil durch die melodische Komponente bedacht wird. Gut gemacht! Wer möchte, und das ist hier absolut empfehlenswert, sollte sich die Lyrics einmal zu Gemüt führen.
Das Album ist nach Meinung des Verfassers dieser Zeilen sehr gut gelungen und sollte nicht nur bei der Melodic Death Metal Fraktion baldmöglichst im Plattenschrank stehen. Beziehbar ist es über www.nephylim.nl/shop oder über die Facebook Seite der Band.
Auch auf ein Live Konzert darf man gespannt sein!

BandNephylim
AlbumSeverance of Serenety
Titel1. Reminiscence 2:32
2. Forsacen 4:41
3. Vanquish The Sepsis 5:09
4. Aftermath 5:42
5. Fractured Existence 6:20
6. Reassurance 2:12
7. The Bitter Inheritance 6:22
8. Dust Vailed Sky 5:51
9 .Eye Of The Storm 5:20
10. Remembrance 8:15
LabelEigenproduktion
GenreMelodic Death Metal
StudioalbumNr. 1
Veröffentlicht18. Jan. 2020
Herkunft´sHertogenbosch/ Apeldoon /Niederlande
Gründung2015
Members1. Kevin van Geffen
(Gesang und Gitarre)
2. Ralph Lentink (Gitarre)
3. Rens van de Ven (Bass)
4. Martijn Paauwe (Schlagzeug)
Liveunterstützung:
Tijn Bosters (Vocals)

Verfasst im Februar 2020
von Roland Hesse

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